Deutsche Sprichwörter  mit B un C

Deutsche Sprichwörter
Über 23.000 deutsche Sprichwörter
Besser N bis C

Deutsche Sprichwörter  oder
Sprichwörter aus Deutschland ?


Schon vor Jahrhunderten wurden deutsche Sprichwörter oder der Deutschen gesammelt und veröffentlicht, von Agricola und Sebastian Franck im 16., Lehmann, Eyering, Petri, Gruter und Winckler im 17., Bücking, Siebenkees und Sutor im 18. bis Braun, Eiselein, Körte, Simrock und Wander im 19. Jahrhundert. Einige mundartliche Sammlungen kamen aus begrenzten Sprachgebieten, aber keine war „aus“ dem Land Deutschland. Bis 1806 gab es auch kein Deutschland, sondern nur seit dem 10. Jahrhundert das „Heiliges Römisches Reich“, ab dem 15. Jahrhundert mit dem Zusatz „deutscher Nation“.

Danach gab es mehrere regionale Herrschaftsgebiete, und seit 1871 das Deutsche Reich und das Kaiserreich Österreich-Ungarn. Hochdeutsch war ein Dialekt von mehreren, der z. B. in Prag bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Mehrheitssprache war und bis in die 1930er Jahren von über 42.000 Menschen als Muttersprache gesprochen wurde. Früher und heute wird Hochdeutsch außer in Deutschland auch in Österreich, in Teilen der Schweiz und den Grenzregionen in allen anderen Nachbarländern und teilweise in Afrika in den ehemaligen deutschen Kolonien gesprochen.

Im Deutschen Sprichwörter Lexikon hat auch Wander ohne jeden Unterschied jedes noch so entfernte deutschsprachige Werk aus anderen Ländern mit herangezogen. Der schweizerische Autor Kirchhofer schreibt im Vorbericht der Sammlung schweizerischer Sprichwörter „Wahrheit und Dichtung“ auf Seite 6 von einer Sammlung schweizerischer Sprichwörter, die nach München gegangen ist und nicht wiederkam. Sie wird wahrscheinlich eine andere deutsche Sammlung bereichert haben. Einigen „deutschen“ Sprichwörtern ist ihre schweizerische oder österreichische Herkunft auch anzumerken. Deswegen gibt es auch hier nur „Deutsche Sprichwörter“ und keine mit der Herkunftsbezeichnung „aus Deutschland“, da die meisten überall im deutschen Sprachraum entstanden und verbreitet sein können.

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Besser Nachbar an der Wand als Freund und Bruder über Land.
Guter Nachbar an der Wand ist besser wie Bruder (Freund, Vetter) über Land.
Ein guter Nachbar ist besser als ein Bruder in der Ferne.
Ein Nachbar an der Hand ist besser als ein Freund über Land.
Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne.
Guter Nachbar ist besser als Bruder in der Ferne.
(Ursprung des Sprichworts ist in der Bibel, Die Sprüche Salomos 27, 10: „Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne.“)

Besser nachgeben, als zu Schaden kommen.

Besser Neider als Mitleider.
Lieber Neid, denn Mitleid.
Lieber Neider, denn Mitleider.
Neider sind besser als Mitleider.
Besser zu beneiden, als zu erbarmen.

Besser nicht anfangen denn erliegen.

Besser nicht ausgegangen als auf halbem Wege stehen geblieben.

Besser nichts als gar nichts.
Besser nichts denn gar nichts.

Besser nichts geben als geraubtes Almosen.


Besser nichts lernen, denn bös lernen.

Besser nicht unterstehn, denn mit Schad und Schand ablehn.

Bessern ist oft bösern.

Bessern und bösern steht in gleicher Waage.

Besser offener Krieg als vermummter Friede.

Besser oft und wenig essen, denn einmal sich gar überfressen.

Besser ohne Abendessen zu Bette gehen, als mit Schulden aufstehen.

Besser ohne Geld, als ohne Freund sein.
Besser ohne Geld, denn) ohne Freund leben.

Besser ohne Kinder sterben, denn gottlose Kinder haben.

Besser ohne Mann, denn ohne Gott leben.

Besser recht Nichts denn unrecht Was (etwas).

Besser redlicher Krieg denn elender Friede.

Besser Roggenbrot als der Hintern blut.

Besser rote Augen, als ledige Lucken.
Es ist besser rote Augen, denn ledige Gruben.
(Mit den Lucken und Gruben sind die Augenhöhlen gemeint. Wenn sie ledig sind, befinden sich darin keine Augen, das bedeutet, man ist blind. Besser die Augen sind rot vom Weinen oder anderem, heute oft durch Heuschnupfen und Allergien, als das man Blind ist.)

Besser Schad, denn Schand oder schändlicher Gewinn.

Besser scheel*28 denn blind.

Besser Scheu denn Reu.

Besser schielen als blind sein.
Besser Schielen, als gar blind.

Besser schlichten als richten.

Besser schnell gestorben als langsam verdorben.


Besser schweigen, denn viel schwätzen.

Besser schweigen und gut denken, denn mit reden einander kränken.

Besser selig gestorben, denn mit Unrecht groß Gut erworben.

Besser sitzen, bei einem der lügt, als bei einem der gar stillschweigt.
(Diese Meinung des alten Sprichworts kann ich nicht teilen. Das Schweigen kann tausend gute Gründe haben, Lügen dagegen keinen.)

Besser sparsam leben als im Elend verderben.

Besser spät als gar nicht.
Besser spät als nie.

Besser sterben, denn betteln.

Besser stolz am irdnen Topfe als demütig am goldnen Tisch.

Besser stumm als dumm.

Besser Teuerkauf, als nichts feil.
(Die Lieferengpässe der Wirtschaft im Jahr 2022 bestätigen dieses über 500 Jahre alte Sprichwort.)

Besser tot denn friedlos.

Besser totgefressen als totgefochten.

Besser trauern, denn lachen.
(Eindeutig falsch, aber leider manchmal nicht zu vermeiden.)

Besser trinken von einer Fliege, als von einem Weidenblatt, denn das fällt ins Wasser, eine Fliege wohl in gutem Bier oder Wein liegt.

Besser: trink' Wein und erwirb, als: trink Wasser und verdirb.

Besser tun, was man nicht will, als tun, was man nicht soll.

Besser übel bekleidet, denn gar nackt.

Besser über eine Eselsbrücke, als gar nicht weiter kommen.
(Da Esel sich oft weigern auch kleine seichte Bäche zu überqueren, baute man ihnen sogenannte Eselsbrücken, die dem Esel den Eindruck von Sicherheit vermittelten. Ob sie sicher, zuverlässig oder dauerhaft waren, war unerheblich, nur der äußere Eindruck war wichtig. Durch Ausbau der Verkehrswege und Rückgang von Eseln als Transportmittel sind solche Eselsbrücken nicht mehr notwendig. Eselsbrücken sind heute Merksprüche zum Einprägen von Informationen, die man sonst vergessen würde.)

Besser umgekehrt, als unrecht gefahren.
Besser umkehren, als unrecht gehen.
Besser umkehren als irregehen.
Besser umkehren denn fehlgehen.

Besser unbegonnen, als unvollendet.

Besser uneins sein, denn unchristliche Einigkeit machen.

Besser ungelehrt und verständig, als hochgelehrt und unverständig.

Besserung ist niemand verboten.
Besserung oder besser zu machen ist niemand verboten.

Besser Undank mit Wahrheit, als Dank mit Lüge.

Besser Unrecht leiden, als Unrecht tun.

Besser unter der Bank mit Ruhe, denn darauf mit Unruhe.

Besser unter Raben, denn unter Schmeichler geraten, die die Lebendigen fressen.

Besser verachtet, denn gefürchtet, wie man Tyrannen fürchtet.

Besser verschämt im Gesicht, als leichtfertig im Herzen.

Besser verwahrt als beklagt.

Besser viele Hirsche unter einem Löwen, denn viele Löwen, da ein Hirsch Obrist ist.

Besser vieler Leute Rat, denn eines Mannes Tat.

Besser viel wissen, denn viel reden.

Besser Vogelfangen als ganz stille sitzen.

Besser von der Straße geblieben, als irre laufen.

Besser von Wohltat, denn von Übeltat wegen leiden.

Besser vorbewahrt, dann nachbeklagt.
(Das bedeutet, vorher überlegen und vorsichtig Ruhe bewahren als nach einer unüberlegten Tat deren misslingen beklagen.)

Besser weichen als die Schlacht verlieren.

Besser weichen, als zanken.

Besser weite Freundschaft, denn nahe Feindschaft.

Besser wenig Gebratenes, als viel Rauch.

Besser wenig haben und werben, denn viel haben und verderben.

Besser wenig mit gutem Gewissen, denn durch Schalkheit viel an sich gerissen.

Besser wenig mit Liebe als viel mit Fäusten.
(Dieses Sprichwort könnte missverstanden werden! Es bedeutet nicht, dass man auf die Liebe verzichten sollte und sich alles lieber mit der Gewalt der Fäuste nehmen sollte. Richtig ist vielmehr, man sollte mit dem, was man mit Liebe bekommen kann, vorlieb nehmen, auch wenn es etwas weniger sein sollte, als sich mit Gewalt mehr zu verschaffen. Am Ende wird man von dem Wenigen mit Liebe mehr haben als von allem, was man mit Gewalt und Fäusten zusammengerafft hat.)

Besser werben, denn verderben.

Besser wohl hinter sich, als übel vor sich.

Besser zehn Kinder mit Ehren, als eins mit Unehren.

Besser zehn Manns Freundschaft, denn eines Manns Feindschaft.

Besser zehn Neider, denn ein Mitleider.

Besser zehn redlich machen als einen unredlich.

Besser zehn Schuldige lossprechen als einen Unschuldigen verdammen.

Besser zu früh als zu spät.

Besser zurück als übel vor.

Besser zur Unzeit, als nimmermehr.

Besser zu vermeiden, denn zu erbarmen.

Besser zu wenig, denn zu viel tun.
(In dem Buch „Colloqvia Oder Tischreden D. Mart: Luthers: So er in vielen Jaren, gegen Gelarten leuten, auch frembden Gesten, vnd seinen Tischgesellen gefůhret“ von Martin Luther im Verlag Gaubisch 1570 gedruckt wird auf Seite 436a dazu erklärt: „Da sprach D. Martin Luther, Bescheidenheit und Maßhalten ist eine große Tugend, so allzeit billig hoch gelobt ist. Aber schwerlich erlangt man sie, wie der weise Isokrates sagt. Denn es ist schwer, das Mittel zu treffen. Es ist besser zu wenig, denn zu viel tun.“)

Besser zweimal fragen, als einmal irregehen.
Besser zweimal gefragt, denn einmal unrecht getan.

Besser zweimal messen als einmal vergessen.
Besser zweimal gemessen denn einmal und das Beste vergessen.

Beständigkeit hält Farb.

Besuch deine Freunde selten, sonst wirst du ein unwerter Gast bei ihnen.

Besuch ist wie Fisch: Am dritten Tage stinkt er.

Bete, als hülfe kein Arbeiten, arbeite, als hülfe kein Beten.


Bete fleißig, arbeite oft und viel, das sei dein Hund und Federspiel.

Beten gehört für die Pfarrer.

Beten ist kein Katzengeschrei.

Beten lernt man in Nöten.

Beten ohne Andacht, heißt dem Teufel ein Opfer gebracht.

Beten ohne Innigkeit ist verlorene Arbeit.

Beten und düngen ist kein Aberglaube.
(Dies ist ein Sprichwort, wenn auch nicht so verbreitet, obwohl Wander es in seinem Deutschen Sprichwörter Lexikon nur als Übersetzung eines Plattdeutschen Sprichworts (Biäen un Düngen ies kein Abergläuwen.) aus Soest hinzufügt. Schon am 22. April 1837 steht es auf der 1. Seite des Wochenblattes für Land- und Hauswirthschaft, Gewerbe und Handel, herausgegeben von der „Centralstelle des Landwirthschaftlichen Vereins“ in Stuttgart.)

Betet für den alten Bürgermeister, der neu würde noch schlimmer.

Bete und arbeite.
(Dieses Sprichwort ist der Ordensgrundsatz der Benediktiner. Er stammt erst aus dem Spätmittelalter und ist in der von Benedikt verfassten Regula Benedicti nicht vorhanden. Quelle: Q: https://de.wikiquote.org/wiki/Benedikt_von_Nursia)

Betrachte immer die helle Seite der Dinge! Und wenn sie keine haben, dann reibe die dunkle, bis sie glänzt.

Betrübnis ist ein langsamer Tod und der Tod eine kurze Betrübnis.

Betrügen ist ehrlicher als stehlen.

Betrüger und Verlogene zahlen mit den Fersen.
(Das bedeutet, Betrüger und Lügner müssen weglaufen und fliehen, wenn sie ertappt werden, das bedeutet sie müssen Fersengeld geben, um nicht gefangen und bestraft zu werden. Früher wurden Vorsilben in Worten oft weggelassen, so steht dieses Sprichwort in alten Sammlungen oft als: „Trieger (oder Trüger) und Verlogne zahlen mit den Fersen.)

Betrug hat Jacobs Stimme und Essaus Hand.

Betrug ist der Krämer Acker und Pflug.
Betrug ist der Krämer Wagen und Pflug.

Betrüglicher Handel ist jetzt aller Welt Sitte.
(In der Entstehungszeit dieses Sprichwortes im Mittelalter gab es noch kein Internet wie heute, Betrug im Handel gab es trotzdem. Je nach Handel und desen Wege ändert sich auch der Betrug, der sich immer der jeweiligen Umgebung anpasst und neu erfunden wird und sich immer mehr dem Onlinehandel folgt.)

Betrüglich lästern und Wort verkehren schändet manchen Mann an Leib und Ehren.

Betrug nimmt jetzt sehr überhand in alle Land.

Betrug und Hinterlist hilft nicht.

Betrug und List haben kurze Flügel.

Betrug unter Brüdern gilt nimmer.

Betrug währt nicht länger als der Soldaten Hoffart und der Witwen Andacht.

Bettelbrot, (ein) teuer Brot.
(Das bedeutet, das Bettelbrot kostet Scham, Schimpf und Schande.)

Bettelei schmeckt wohl einem unverschämten Maul.

Bettel hat langen Zettel: man trägt aller Welt Garn darin.

Betteln heißt Armut verzetteln.

Betteln ist besser als stehlen.

Betteln ist ein Orden, darin viel zu Herrn sind worden.

Betteln ist keine Sünd noch Schand, den nicht ernähren kann, seine Hand.

Betteln tut niemand weh.

Betteln und Appellieren steht jedermann frei.

Betteln und Brotheischen geht in einen Sack.

Betteln verdirbt niemand, man wird aber sein unwert.

Betteln viele in einen Sack, so wird er bald voll.

Bettelsack hat ein gähnend Maul.

Bettelsack ist bodenlos.

Bettelsack sagt, ich habe nie genug.
Bettelsack sagt nie, ich hab genug.
Bettelsack ward nie voll.

Bettelsack steht allzeit leer.

Bettel und Geiz kann niemand erfüllen.

Bettest du dir gut, so liegst du gut.

Bettler beschmeißen alle Land.

Bettler fasten selten.

Bettler sind Freiherrn.

Bettlers Säcke haben keinen Boden.

Bettler und Krämer sind nie vom Wege ab.

Beulen und blaue Mal helfen oft für Unfall.

Beutelschneiderei ist die beste Kunst.

Beute soll man nicht vor dem Siege teilen.

Bevor die Mädchen flügge, sind sie voller Tücke.

Bevor du weißt, was Leben heißt, ist die Hälfte zumeist weg.
Eh' man weiß, was Leben sei, ist das Leben schon halb vorbei.

Bewahr deine Ehr, dir wird nicht mehr von all deiner Hab, denn nur ein Tuch zum Grab.

Bewahre deine Ehr, hüt dich vor Schand, Ehr ist fürwahr dein höchstes Pfand.

Bewahre dich vor der Gelegenheit, so wird dich Gott vor der Sünde bewahren.

Bewährter Freund, versuchtes Schwert, die sind in Nöten Goldes wert.

Bewegung, Mäßigkeit und Ruh` schließt dem Arzt die Türen zu.

Beweist der Kläger nicht, so ist der Beklagte frei.


Bezahlen wir die Musik, so wollen wir auch tanzen.
Biedermanns Erbe liegt in allen Landen.
(Biedermann = allgemein ein ehrenwerter und rechtschaffener Mann. Das Sprichwort meint, wer ehrlich, aufrichtig und fleißig ist, ist sich selbst und anderen zu nutzen und überall willkommen. Manch gestrige Menschen mit niedrigem Horizont sind trotzdem gegen alle Fremden und Fremdartigen und übersehen zum eigenen Schaden den möglichen Nutzen, den zusätzliche Impulse bringen können. Stillstand ist hier meist Rückschritt.
Von manchen wird der Biedermann auch als Spießbürger oder Spießer bezeichnet, die eine Abneigung gegen Veränderungen des gewohnten Lebens haben, andere nennen es konservativ. Spießbürger gibt es seit dem Mittelalter. Es waren Bürger, die ihre Heimatstädte mit Spießen als städtischen Fußtruppen verteidigen konnten. Ein Spieß oder Picke war einfach herzustellen und gleichzeitig eine effiziente Waffe, auch gegen berittene Soldaten. Deswegen wurden „Spießbürger“ früher positiv gesehen, da sie entscheidend zur Verteidigung der Heimatstadt beitrugen. Warum wird Verlässlichkeit, Rechtschaffenheit oder Bewahrung von guten Werten heute immer mehr als schlecht und unwert bekämpft und zu hohe neue unbekannte Risiken den Vorzug gegeben? Bankenkrise, Wirtschaftschaos und Kriegsgefahr sind nur einige Folgen.)

Bienen haben ihren König, Fliegen und Mücken schweben umher ohne Herrn.

Bienen haben kurze Schnäbel und scharfe Säbel, und machen kleine Wunden, die schmerzen etliche Stunden.

Bier und Brot ist gut für Hungers Not.

Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat ich dir.
Bier auf Wein lass sein; Wein auf Bier, rat' ich dir.
Wein auf Bier, rat ich dir; Bier auf Wein, das lass sein!

Bierchen, das schlägt an`s Nierchen.

Bier und Wein folgt dem Zapfen.

Bieten und Widerbieten macht den Kauf.

Bilder sind der Laien Schrift und Bücher.

Bildstock*3 weist andern den Weg und geht ihn selbst nicht.
Er ist ein schöner Bildstock*3 an der Straße, weist andern den Weg, und geht ihn selbst nicht.

Billigkeit ist größer als das Recht.

Billigkeit muss das Recht meistern.

Billig und gut sind selten beisammen.
Gut und billig sind selten beisammen.
(Laut Wander stammt dieser Spruch im 5. Band seines Deutschen Sprichwörter Lexikons, veröffentlicht im Jahr 1880, aus einer Handschriftliche Sammlung von Sprichwörtern aus Köthens und Umgegend. Das ist heute nicht mehr nachprüfbar. Da aber in der Bienen-Zeitung des Vereins der deutschen und österreichischen Bienenwirthe, Band 28 schon 1872 derselbe Spruch als Sprichwort veröffentlicht wurde, ebenso 1871 in der Wochenschrift für Landwirtschaft, Industrie und Handel, Nr. 24 vom 13. Juni auf der 1. Seite, muss es dafür gelten. Heute steht er mal mit Gut und billig oder mit Billig und gut in einigen Büchern, gefolgt von sind selten beisammen, ist selten beisammen, das geht nur selten zusammen oder Ähnlichem.)

Bims bringt selten Wasser.

Binde den Esel dahin, wo der Herr will und lass ihn hernach die Wölfe fressen.

Binden oder Bündnis machen ist leicht, aber halten ist schwer.

Bin ich nicht berufen Schafe zu hüten, lass es Gänse sein.
(Ein Sprichwort, das schon 1685 bei Paul Winckler steht. 1716 schrieb Andreas Sutor es für sein Buch „Latinum Chaos“ falsch ab: „Bin ich berufen Schafe zu hüten, so lass' ich es Geissen sein.“, von dem Wander es ebenso falsch in sein Deutsches Sprichwörter Lexikon übernahm. Die obige Version von Winckler ergibt einen eindeutigen Sinn, die von Sutor und Wander dagegen nicht.)

Binz und Benz haben einander getroffen.
(Ähnliche Bedeutung wie die Sprichwörter Gleich und Gleich gesellt sich gern und vergleichbar.)

Bischof oder Bader*1.
Bischof oder Bader*1, General oder Corporal, Minister oder Küster.

Bis dahin läuft noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Bis ein deutscher Schuster sein Werkzeug beisammen hat, hat ein Welscher*34 ein Paar Schuhe gemacht.

Bis ein Fauler die Feder schneidet und das Papier bricht, hat ein rüstiger schon einen Brief gefertigt.

Bissige Hunde haben geschlitzte Ohren.
Böse Hunde haben zerbissen Fell.
Bissige Hunde haben zerbissene Ohren, böse Hunde zerbissen Fell.
Listige Hunde haben zerbissene Ohren, böse Hunde zerbissen Fell.
(Variationen eines Sprichworts. Die beiden oberen Teile stammen aus Sammlungen des 17. Jahrhunderts. !810 stehen beide Teile als ein Sprichwort bei Sailer und 1846 in der Sammlung von Simrock unter Nr. 5027, nur bei ihm sind es nicht bissige Hunde, sondern wegen eines Druckfehlers listige Hunde.)

Bist du bei St. Jacob, so denke nicht wieder heim.

Bist du besessen, so lasse dich bannen.

Bist du ein Ackerochs, so begehr keines Sattels.

Bist du ein Geier, so warte aufs Aas.

Bist du ein Narr, so lass dir eine Kappe machen.

Bist du einsam, so besuche einen, der noch einsamer ist als du.

Bist du etwas, das wird wohl schein, lass einen andern auch was sein. Es kommt vielleicht einmal der Tag, das ein andrer auch was werden mag.

Bist du gescheit, so leid und meid.
(Das Übel muss man leiden und das Böse soll man meiden.)

Bist du in Gott, fürchte keine Not.

Bist du kahl, so bocke mit keinem Widder.

Bist du leer im Beutel, so ist alles eitel.

Bist du mit einem Narren besessen, so lass dich beschwören.

Bist du nicht hübsch, so tu hübsch.

Bist du schuldig, sei geduldig!

Bist du übel zu Fuß, mach dich zuerst auf den Weg.
Bist du übel zu Fuß, so brich zuerst auf.

Bist du voll, so leg dich nieder, nach dem Schlafen saufe wieder: So vertreibt ein Schwein das ander, spricht der König Alexander.

Bist du vom Lande, so geh nicht aufs Meer.

Bist du weis', so schweig mit Fleiß.

Bist gescheit, so leid, nicht schilt, das sein muss.

Bis Weihnacht gibt es Speck und Brot, nachher kommt Kält' und Not.

Bisweilen ist das Unglück eine Tochter von einer guten Mutter.
(Obiges Sprichwort steht unter Nr. 800/37 im Buch „Zwey Tausend Gutte Gedanken“ von dem Geübten (Pseudonym für Paul Winckler (1630 - 1686) in der Fruchtbringenden Gesellschaft). Wander übernimmt es in sein Sprichwörter Lexikon (Unglück Nr. 248) und ändert den Wortlaut in: „Unglück ist oft die Tochter einer guten Mutter.“ Damit ändert er „Bisweilen“ zu „oft“ und damit gänzlich die Aussage des Sprichworts, da bisweilen eben nur manchmal, aber keinesfalls oft ist. Ein Unglück ist nur, das Wander bei zu vielen Sprichwörtern Änderungen bis zur Unkenntlichkeit oder Sinnverfälschung vornahm und zu viele fremde fälschlich als deutsche Sprichwörter angesehen werden könnten.)

Bisweilen zieht ein einziges Jungfernhaar stärker als hundert Ochsen.

Bitte die Braut, so schreit sie laut.

Bitt ein Weib, du verlierst nichts daran.

Bitten hat den Ritten.
(ritten = das altdeutsche Wort für Fieber.)

Bitte nichts von dem, der etwas hat, sondern nur von dem, der dir wohl will.

Bitten ist lang, befehlen kurz.

Bitten ist unwert, aber es macht nicht arm.

Bittens und Wünschens geht viel in einen Sack.

Bittere Pillen vergoldet man.

Bitter im Mund ist dem Herzen gesund.

Was dem Maul bitter, ist dem Herzen desto süßer.

Bittet man den Bauern, so schwillt ihm der Bauch.

Bittkauf, teurer Kauf.

Bitt', und nimm.

Blas dem Gottlosen nicht sein Feuer auf, das du nicht (auch) mit verbrennst.

Blasen und schlucken zumal ist schwer.

Blaue Augen, Himmelsaugen, braune Augen, Liebesaugen, schwarze Augen, Diebesaugen.
(Wer sich auf dieses Sprichwort verlässt, der ist meist von allen guten Geistern verlassen.)

Blaue Mal helfen für Unfall.

Blauer Montag, volle Kröpfe, leere Beutel, tolle Köpfe.

Blaue Tauben hecken blaue Jungen.
(Das bedeutet, so, wie die Eltern sind, sind auch die Kinder. Wenn es blaue Tauben geben würde, wären deren Kinder natürlich ebenfalls blau.)

Bleib daheim bei deiner Kuh, willst du haben Fried und Ruh.

Bleiben lassen, ist gut dafür.

Bleib im Gleise, so fährst (gehst) du nicht irre.

Bleib im Lande und nähre dich redlich.
(Der Ursprung dieses Sprichworts liegt in der Bibel, Altes Testament, Psalm 37, 3: „Hoffe auf den Herrn und tu Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich.“)

Bleib, wo du bist und überwind, was in dir ist, so werden dir alle Orte recht und alle Menschen angenehm sein.


Blei und Eisen muss den Kupferschmied speisen.

Blick erst auf dich, dann richte mich.

Bliebe der Wolf im Walde, so würd' er nicht beschrien.
Bliebe der Wolf im Walde und der Mönch in der Klausur, so würden sie nicht beschrien.

Blinder Eifer schadet nur.

Blinder Gaul geht grade zu.

Blinder Mann, ein armer Mann, hätt` er auch Seid und Sammet an.
Blinder Mann, armer Mann, und hätt er seid'ne Kleider an.

Blinder Mann, ein armer Mann; noch ist das ein ärmrer Mann, der sein Weib nicht zwingen kann.

Blind sei das Weib, taub sei der Mann, wo Liebe in der Ehe soll lang bestahn.
(Die Zeiten ändern sich und damit auch Verständnis von Sprichwörtern und deren Lesart. Dieses Sprichwort steht 1616 im Buch „Teutsche Sprach und Weissheit“ von Georg Henisch (1549 - 1618) in Spalte 419, Zeile 67. Wander übernimmt es 1865 in den 1. Band seines Deutschen Sprichwörter Lexikons unter Blind Nr. 5. Dabei ändert er den 2. Teil in: „soll Lieb' und Ehe lang bestahn.“ Bei Henisch um 1600 war durch den Einfluss der Kirche eine Ehescheidung unmöglich und undenkbar. Die Frage im Sprichwort war nur, besteht die Ehe mit langer Liebe oder ohne, der Bestand der Ehe war unzweifelhaft. In der Zeit von Wander im 19. Jahrhundert war die Ehescheidung schon möglich, daher dehnte er die Frage auch auf den Fortbestand der Ehe aus, wodurch er aber das Sprichwort verfälschte. Der Schreibfehler im Wort „bestahn“ (eigentliche bestehen) ist dem Reim auf Mann geschuldet und daher im Sprichwort gewollt.)

Blöde Augen können die Sonne und Wahrheit nicht leiden.
Blöde Augen scheuen das Licht.
(Unter Blöde sind hier die bösen Augen gemeint, die das Sonnenlicht scheuen, welches die Wahrheit ans Licht bringt.)

Blödes Herz buhlt keine schöne Frau.

Blödigkeit ist dem Armen wenig nütz.

Blut fordert Blut.

Blutige Hand nimmt kein Erbe.
Blutige Hand mag kein Erbegut empfangen.
(Altes Rechtssprichwort, das bedeutet, wenn jemand einen anderen umbringt oder anders zu Tode bringt, darf er nichts vom Erbe erhalten.)

Blut ist dicker als Wasser.

Blut kriecht, worin es nicht gehen kann.

Blut rinnt zusammen, hat der Geißbock gesagt.

Borchhard ist Lehnhards Knecht.
Borghard ist Lehnhard's Knecht.

Borgen macht (bringt) Sorgen.
(Zu diesem Sprichwort der Kommentar von Wilhelm Körte 1837: Borgen hat eine Stiefmutter, die heißt: „Verkauf dein Gut“; die hat eine Tochter, die heißt: „Gieb's wohlfeil“; die hat einen Bruder, der heißt: „Zum Tor hinaus“.)

Borgen macht Sorgen, wiedergeben macht Sauersehen.

Borgen tut nur einmal wohl.
Borgen und Jucken tut nur eine Weile wohl.
Borgen und Jucken tut nur einmal sanft.

Böse Art verliert sich nicht.

Böse Augen sehen nichts Gutes.
(Böse Menschen legen alles böse und schlimm aus und trauen anderen nur unlautere Beweggründe für deren Handlungen zu. Sie schließen von sich auf andere.)

Böse Augen und bös Gewissen können das Licht nicht leiden.

Böse (Schlimme) Botschaft bringt man bald.

Böse Buben haben weite Gewissen; man möchte junge Hunde hindurch beuteln.

Böse Eltern machen fromme Kinder.

Böse Frauen machen die besten Käse.

Böse Gedanken klopfen nimmer an; tue zu, so gehen sie davon.
(Bei Christoph Lehmann steht dieses Sprichwort 1630 auf Seite 238 mit dem Wort „nimmer“, Wander hat es im Sprichwörter Lexikon 1867 in „immer“ geändert (Gedanke Nr. 7). Wander hat es fälschlich ins Gegenteil verkehrt, da böse Gedanken ebenso wie Unglück oder Krankheiten nie anklopfen, sie kommen unbemerkt von selbst. Man muss ihnen nicht die Tür öffnen, sondern mit Kraft vor der Nase zuschlagen. Es bedarf Stärke und Willens, sich ihnen zu erwehren und sie auszuschließen. Alle, die von Wander abgeschrieben haben, haben es genauso falsch wie Wander.)

Böse Geschwätze verderben gute Sitten.
Bös Geschwätz verderbt gute Sitten.
Bös Geschwätz verdirbt gute Sitten.
(Sprichwort mit Ursprung in der Bibel, aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther 15,33 „Lasset euch nicht verführen! Böse Geschwätze verderben gute Sitten.“)

Böse Gesellen verleiten manchen zur Hölle.

Böse Gesellschaft bringt manchen an den Galgen.

Böse Gesellschaft verdirbt gute Sitten. Guter Umgang verbessert schlechte Sitten.
(Beide Hälften sind auch einzeln als selbstständiges Sprichwort verbreitet.)

Böse Gewohnheiten machen kein Recht.

Böse Hunde bewahren das Haus.

Böse Hunde sind gute Wächter, sagte ein Bauer von seinem bösen Weibe.

Bös Ei, bös Küchlein.

Böse Kinder machen den Vater fromm.

Böse Leute, böse Werke.

Bösem Aste scharfe Axt.
Bösem Ast gehört eine scharfe Axt.
Gegen einen bösen Ast gehört eine scharfe Axt.
Zu einem bösen Ast gehört ein böser Keil.

Bösem Hund gehört ein Knüppel.
Zu einem bösen Hunde gehört ein Knüppel.

Bösem Weibe kann niemand steuern.

Bösen Beinen und frommen Weibern dient am besten, zu Hause bleiben.

Bösen Wein soll man loben, der bedarf's, der gute lobt sich selbst wohl.

Böser Anfang, böses Ende.

Böser Brunnen, in den man das Wasser tragen muss.
Es ist ein böser Brunnen, darein man erst Wasser tragen muss.
Es ist ein schlechter Brunnen, in den man Wasser trägt.
Böser Heller, so einen Gulden schadet.
Böser Gewinn fährt bald hin.

Böser Gewinn faselt nicht.

Böser Gewinn ist Schaden.

Böser Heller*17, so (der) einen Gulden*13 schadet.

Böser Hund, zerrissen Fell.

Böser Leute Fahrt währt nicht lange, denn Gott ist nicht beim Fuhrwerk.

Böser Leute Fluch ist eitel Vaterunser und Segen über die Frommen.

Böser Leute Rat am meisten schad, dem, der ihn gegeben hat.

Böser Leute Rat ist gemeiniglich auf Eigennutz gerichtet.

Böser Leute Uneinigkeit ist der Guten Sicherheit.

Böser Nachbar, ewiger Krieg.
Guter Nachbar, guter Morgen; böser Nachbar, ewiger Krieg.

Böser Nachbar, täglich Unglück.

Bösern ist nicht bessern.

Böser Pfennig kommt allzeit (immer) wieder.

Böser Pfennig, zugesagt und nicht bezahlt, schadet zwei.

Böser Vogel, böser Gesang.

Böser Vogel, böses Ei.

Böses Beispiel verdirbt gute Sitten.

Schlechte Beispiele verderben gute Sitten.

Böses bleibt nicht ungestraft.

Böse Schäfer machen fette Wölfe.

Böse Schuldner kriechen den Weibern unter den Pelz.

Böse Schuldner muss man oft mahnen.

Böses Ei, schlimmes Hühnlein.

Böses erfährt man zeitig genug.

Böses Fleisch gibt schwerlich gute Suppen.

Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.
(Zitat aus „Wallensteins Lager“, dem 1. ersten Teil von Friedrich von Schillers Wallenstein-Trilogie (Uraufführung 12.10.1798 in Weimar), im 10. Auftritt sagt es der Wachtmeister. In manchen Sprichwörtersammlungen ist dieses Zitat als Sprichwort verzeichnet, was es aber nicht ist.)

Böses Gewissen verraten die Augen.

Böses Gewissen versieht sich immer des Ärgsten.
(Ursprung des Sprichworts ist die Bibel, Die Weisheit Salomos 17, 11: „und ein erschrockenes Gewissen versieht sich immerdar des Ärgsten.“)

Böses hört man immer mehr als Gutes.

Böses ist eher verrichtet, denn geschlichtet.

Böse Sitten machen gute Gesetze.

Böses kommt geritten, geht aber weg mit Schritten.

Böses lässt sich leicht verrichten, aber nicht leicht wieder schlichten.

Böses lehren, schad't mehr, denn Böses tun.

Böses muss man mit Bösem überbösen.

Böses muss man mit Bösem vertreiben.
Mit Bösem muss man Böses vertreiben.
Böse Sprünge geraten selten.

Böse Tat hat keinen Rat.

Böse Ware braucht viele Worte.
Böse Ware muss man aufschwatzen.

Böse Winde vergehen wieder.

Böse Worte verwunden mehr als ein scharfes Schwert.
(Dieser Spruch findet sich ca. 20 Mal in Veröffentlichungen, mal ohne Quelle und mal als alte Bauernweisheit bezeichnet. Möglicherweise eine Abwandlung eines Spruchs aus dem 5. Band von Wanders Sprichwörter Lexikon unter Wort Nr. 105: „Ein böses Wort verwundet mehr, als ein geschliffenes Schwert.“. Bei ihm gibt es keine deutsche Quelle, sondern nur ein italienisches Sprichwort aus dem Buch Jngresso al Viridario Proverbiale von Giov. Antonio Pazzaglia aus dem Jahr 1702. Dieses italienische Sprichwort steht auf Seite 257, Nr. 44 in die deutsche Sprache übersetzt: „Ein böses Wort verletzt mehr (tut weher) als ein scharfer Degen Stich.“, italienisch auf Seite 256: „Più offende una mala parola, ch' una spada affilata.“ Damit sind diese Sprüche nur verschiedene deutsche Variationen des italienischen Sprichworts und kein deutsches. Das gleich gilt ebenso für viele Sprüche bei Wander, für die er keine deutschen Quellen angibt.)

Böse Zimmerleute machen viel Späne.
Die ungeschicktesten Zimmerleute machen am meisten Späne.
Die größten Stümper machen die meisten Späne.

Böse Zunge, böse Taten.

Böse Zunge, bös Gewehr.

Böse Zunge und böses Ohr sind beide des Teufels.

Böse Zungen schneiden schärfer als Schwerter.

Böse Zungen soll man mit dem Tode stillen.

Bös`Gerücht nimmt immer zu, gut Gerücht kommt bald zur Ruh`.
Ein Spruch, der in einigen Sprichwörtersammlungen aufgeführt wird. Er stammt ursprünglich aus Freidanks Bescheidenheit und steht dort je nach Herausgeber oder Übersetzer in Kapitel 42 „Von Unkunde“ oder unter Vers 136, 1. Je nach Zeit und Bearbeitung hat sich auch der Text verändert:
Ein bös Gerücht dringt in die Weite, ein gutes hören wenige Leute.
Je weiter bös Gerücht geflogen, je mehr wird noch hinzugelogen.
(Herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Wolfgang Spiewok, Reclam Leipzig 1985, Vers 136, 1)
Diu boesen maere werdent wit, daz guote maere schiere gelit.
so daz. mäere ie verrer fliuget, so man ie me geliuget.
(Herausgegeben von H. E. Bezzenberger, 1872, Vers 136, 1)
Denn leidge Märe wird so groß, die gute stirbt bald hoffnungslos.
je weiter Märe kommt geflogen, je mehr wird noch hinzu gelogen.
(Neudeutsch von Karl Simrock 1867, Kapitel 42, Von Unkunde)
diu boesen maere werdent wil, daz guote maere schier gelit.
só daz maere ie verrer vliuget, só man ie mér geliuget.
(Herausgegeben von Wilhelm Grimm, 1834, Kapitel 42. von unkünde)

Bös Geschrei läuft schnell.
(Geschrei = Gerücht)

Bös Gewissen, böser Gast, weder Ruhe noch Rast.

Bös Gewissen klagt sich selber an.

Bosheit hat einen bösen Nachdruck.

Bosheit ist bald gelernt.

Bosheit mästet den Bösen.

Bosheit tut sich selbst den größten Schaden.

Bös ist, was nicht zu bessern ist.

Bös ist wider die zu schreiben, die da können dich vertreiben.
(Die Sprichwort war früher genau wie heute gültig. Wer in totalitären Ländern oder Diktaturen lebt, darf nur den Machthabern genehmes schreiben. Schreibt einer etwas anderes oder übt Kritik an den Mächtigen, wird es nicht geduldet oder bestraft. Unter den Nationalsozialisten des 3. Reichs in Deutschland war eine andere oder abweichende Meinung verboten. Heute versuchen einige Gruppen in Deutschland, die besonders lautstark „Lügenpresse“ schreien, andere damit mundtot zu machen. Hilft das nicht, werden Beleidigungen, Verunglimpfungen bis hin zu Morddrohungen nachgeschoben. Mit Gewalt wird versucht, was mit Argumenten und Überzeugung nicht erreicht werden kann.)

Bös und Bös vergleicht sich gern.

Botmäßigkeit ist nicht flugs Gerichtsbarkeit.

Branntwein ist morgens Blei, mittags Silber, abends Gold.
(Das Sprichwort gilt nur, wenn der Branntwein schluckweise als Medizin genommen wird und nicht in Mengen als Trunk.)

Bratensaft macht Brüderschaft, doch nimmt Unglück die Brocken, macht sich der Bruder auf die Socken.
(Ein Sprichwort, das 1858 mit anderen auf Seite 181 im „Deutschen Volks-Kalender“, herausgegeben von Friedrich Wilhelm Gubitz, steht. Im Deutsche Sprichwörter Lexikon von Wander steht es nicht, obwohl ihm dieselbe Seite im „Deutschen Volks-Kalender“ als Quelle mehrere ander Sprichwörter diente. Wahrscheinlich war die Ausbeute größer, das Sprichwort auseinder zu nehmen und gleich drei, alle ohne Quellenangabe, daraus zu machen: unter Bratensaft: „Bratensaft macht Brüderschaft.“, unter Unglück Nr. 211: „Nimmt das Unglück die Brocken, so zeigt der Freund die Socken.“ und Unglück Nr. 385: „Wenn's Unglück nimmt die Brocken, macht sich der Bruder auf die Socken.“)

Brätst du mir die Wurst, so lösch ich dir den Durst (sagt der Kellner zum Koch).
Der Koch dem Kellner gibt eine Wurst, der Kellner löscht dem Koch den Durst.

Bratwürste muss man nicht im Hundsstalle suchen.
Die Bratwurst sucht man nicht im Hundestall.
Man darf nicht Bratwürste in einem Hundsstall suchen.

Brauch einen Esel, wenn du kein Pferd hast.

Brauche, was du willst, und gewarte, was Gott will.

Braune Äcker die Besten.

Braune Augen sind gefährlich, aber in der Liebe ehrlich.

Braune Eicheln die besten.

Braune Nüsse, Kerne süße (süße Kerne).
(Aus der Sicht der Männer meint 1837 Wilhelm Körte, das gelte auch in Bezug auf Brünette (Mädchen).)

Braunschweig, wärst du wasserreich, käm' (wär') nicht leicht ein Land dir gleich.

Brautleute sind vor Gott schon Eheleute.
(Das bedeutet, früher durften Mann und Frau unter Strafe vor der Hochzeit nicht beisammen sein. Als Ausweg galt vor der Kirche das Eheversprechen, das aber eingehalten werden musste, als Vergebung der Sünde. Ebenso wurden die vor der Hochzeit geborenen, eigentlich unehelichen Kinder derselben Eltern, für ehelich erklärt und den nachfolgenden Kindern gleichgestellt.)

Brauwerk ist keine Kaufmannschaft.

Brave Hausfrau bleibt daheim.

Breite Worte, anderthalb Schuh lang.
Breite Worte glatt schleifen.
Glatte Worte schleifen.
(Breite und glatte Worte schleifen bedeutet, jemanden mit feinen Worten überlisten, den anderen durch schöne Worte betrügen, Komplimente machen und einschmeicheln. Seit Jahrhunderten vielfach geübt und immer modern, nur die Worte und Bezeichnungen haben sich geändert.)

Brennte Falschheit wie Feuer, so wäre das Holz nicht halb so teuer.

Bricht ein Ring, so bricht die ganze Kette.

Briefe sind besser denn Zeugen.

Bring eine Katze nach England, sie wird miauen.

Bringer findet allenthalben eine offene Tür.

Bring mich dahin, wo etwas ist, ich kriege mein Teil.

Bringt man ihm das Maul in Schwung, hört's den ganzen Tag nicht auf zu läuten.

Brocke nicht mehr, als du essen magst.

Brot backt man nicht ohne Mehl.

Brot macht Backen rot.
Bier und Brot macht Backen rot.

Brot und Salz, Gott erhalt's.

Brot und Salz soll man nicht schwächen.
(Das bedeutet, Tischfreundschaften soll man halten und nicht auflösen.)

Brot und Wein gibt auch eine Suppe.

Brot unter Spänen erkenn' ich an' Wähnen.

Brüchige Mauern sind leicht umzuwerfen.

Brüder haben ein Geblüte, aber selten ein Gemüte.

Bruderzorn, Höllenzorn.

Bruderzwist gar heftig ist.

Brunst, Flut und Weibertücke gehn über alle Stücke.
Brunst, Meeresflut und Weibertücke sind über alle Stücke.

Brunze (uriniere) nicht gegen den Wind.

Buben vom Strick erbeten, werden selten frommer.

Bücher fressen und nicht kauen ist ungesund.

Bücher geben keine Handgriffe.

Bücke dich lieber dreimal zu viel, als einmal zu wenig.

Bücken muss man sich, wenn man durch die Welt will.

Buhlen gehört nicht in Schulen.

Buhlen verderbt die Schulen.

Buhler bauen selten große (hohe) Häuser.

Buhlerbeutel ist mit Spinnweben zugeschnürt.
Buhlersäckel ist mit Lauchblättern zugebunden.
Der Buhler Säckel ist mit Lauchblättern zugeknöpft.
Der Buhler Säckel ist mit Lauchblättern zugeschnürt.

Buhlerbriefe sind mit Butter versiegelt.

Buhler geben schlechte Krieger.

Buhler zählen die Zeit wohl.

Buhler-Zorn, der Buhlschaft Sporn und Dorn.

Buhlschaft ist mit Galle behaft.

Buhlschaft leidet keine Gesellschaft.

Buhlschaft schlägt zu den Augen heraus.

Bündnis macht die Schwachen stark.

Bunte Blumen riechen nicht.

Bunte Bullen zeugen bunte Kälber.

Buntes Pferd verkauft man gern.

Bürgen soll man würgen.
(Ursprung des Sprichworts ist die Bibel, Die Sprüche Salomos 17, 18: „Ein Tor ist, wer in die Hand gelobt und Bürge wird für seinen Nächsten.“ und Jesus Sirach 8, 16: „Werde nicht Bürge über dein Vermögen; wirst du aber Bürge, so denke, daß du bezahlest.“ Ein Bürge haftet mit seinem Vermögen für die Schuld eines anderen, wenn der seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Zeitweise nicht nur mit Geld, sondern auch persönlich, wenn der Straftäter selbst nicht habhaft gemacht werden konnte. Dazu eine Untersuchung zur Bedeutung und Herkunft des Rechtssprichworts und seine heutige Relevanz: www.ruhr-uni-bochum.de/ . /Buergen_soll_man_wuergen.pdf)

Burgen und Fürsten haben keinen Frieden.

Bürgermeister ohne Witz, ein Schweinespieß ohne Spitz, und ein Ofen ohne Hitz', diese drei Dinge, sind nicht viel nütz.

Bürger und Bauer scheidet nichts denn die Mauer.

Bürge werden hat viel reiche Leute verderbt und in Armut gebracht.

Burschenschaft ist Burschenschaft, sagt Kampz.

Büsche haben Ohren und Felder Augen.

Buße gehört auf die Sünd, wie die Laus in den Grind.

Butter bei die Fische!

Butter ist morgens Gold, mittags Silber, abends Blei.

Butter verdirbt keine Kost.

Bylbrief*7 geht vor Bodmereibrief*4.

Caute, caute, ihr Gesellen, der Wirt versteht auch Latein.

Caute! Die Bauern verstehen auch Latein.

Christen haben keine Nachbarn.

Christen haben keine Planeten, sondern Gott zum Propheten.

Christen sind dünn gesät.

Christentum ein ewiger Feiertag.

Christentum vererbt sich nicht.

Christen und Könige sollen wissen, was sie glauben.

Christus hat viele Diener, aber wenig Nachfolger.

Christus ist unser Fleisch und wir sein Gebein.

Christus lässt wohl sinken, aber nicht ertrinken.

Christus wird noch täglich gekreuzigt.

Concilium hin, Concilium her, ist`s Menschenlehr, so gilt`s nicht mehr.

Courage schützt vor Blamage.

Cras, cras ist der Raben Sang.