Über 25.000 Deutsche Sprichwörter

Deutsche Sprichwörter mit D

Deutsche Sprichwörter mit D

Über 25.000 deutsche Sprichwörter


Deutsche Sprichwörter mit derben oder diskriminierenden Ausdrücken ?


Schon vor Jahrhunderten haben einige Autoren in ihren veröffentlichten Sprichwörtersammlungen vermeintlich derbe, obszöne oder diskriminierende Sprichwörter oder Ausdrücke durch Selbstzensur weggelassen oder nur mit Punkten angedeutet. 1864 wurde sogar wegen „Erregung eines öffentlichen Ärgernisses durch Verletzung der Schamhaftigkeit“ Anklage gegen Hermann Frischbier (1823 - 1891) und sein Buch „Preußische Sprichwörter und volksthümliche Redensarten“ erhoben.

Ebenso fragt seit Kurzem die neuste Textverarbeitung mit der Rechtschreibprüfung des Duden bei einigen Worten: „Derben/diskriminierenden Ausdruck ersetzen?“ Dabei wurde wahrscheinlich vergessen, dass die Ausdrücke in Sprichwörtern und anderen normalen Veröffentlichungen (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften) bei Weitem nicht an die heute üblichen  Ausdrücke, Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen und anderem in den angeblich „sozialen Netzwerken“ im Internet herankommen. Nach den  Kriterien, die mancherorts gefordert werden, müssten alle diese sogenannte „sozialen Netzwerke“ sofort verboten werden.

Das Verfahren gegen Herman Frischbier endete in 1. und 2. Instanz mit einem Freispruch. Im Vorwort seiner Sammlung schrieb Frischbier:
„Völlig bei Seite gelegt sind nur die absolut obszönen Sprichwörter und Redensarten. Wenn trotzdem die Sprache mehrfach eine ungemildert eindringliche und kräftige ist, so wolle man nicht vergessen, dass sie meist dem gemeinen Manne angehört, der selbst in Euphemismen derbe ist und Handschuhe außer im Winter nicht leiden mag. Auch hat man auf wissenschaftlichem Gebiete die Zimperlichkeit völlig abzulegen und darf sich nicht scheuen, jedes Ding mit seinem üblichen Namen zu nennen und nennen zu hören. Übrigens nehme ich Jakob Grimm's hierher gehöriges Wort auch für mich in Anspruch: „Wer an nackten Bildsäulen ein Ärgernis nimmt, oder an den nichts auslassenden Wachspräparaten der Anatomie, gehe auch in diesem Saal den missfälligen Wörtern vorüber."


Preußische Sprichwörter, 2. Ausgabe 1865, Seite 320, Aus dem Gutachten von Dr. Karl Rosenkranz, Rat 1. Klasse und ordentlicher Professor an der königlichen Universität zu Königsberg:
„Herr Lehrer H. Frischbier hat mir seine Sammlung „Preußischer Sprichwörter und volkstümlicher Redensarten", Königsberg 1864, mit der Anfrage vorgelegt, ob ich in derselben etwas Anstößiges fände?
Sprichwörter erfindet man nicht, sondern man findet sie. Der Sammler verhält sich zu gegebenen Tatsachen, welche für eine Provinz, für einen Stand, für ein Volk charakteristisch sind. Unter den Sprichwörtern aller Völker, wie man sich aus Eiseleins großer Sammlung, 1840, überzeugen kann, kommen auch viele zynische vor. Manchmal sind dieselben wirklich ekelhaft, oft aber sind sie auch komisch. Was soll nun der Sammler tun? Soll er sie ignorieren? Soll er sie unterdrücken? Hat er ein Recht dazu? Gewiss nicht, so wenig ein Philologe, der den Aristophanes oder Horaz oder Martial herausgeben will, ein Recht hätte, die kolossalen Zynismen derselben auszumerzen.“

Preußische Sprichwörter, 2. Ausgabe 1865, Seite 321: Aus dem Gutachten von Dr. Oskar Schade, ordentlicher Professor an der königlichen Universität zu Königsberg:
„Es ist eine bekannte Tatsache, dass das Volk in vielen seiner poetischen Erzeugnisse, ganz besonders in seinen Sprichwörtern, sich einer Auffassung und Sprache bedient, die von der der heutigen Gebildeten und als gebildet gelten wollenden Gesellschaft mannigfach abweicht, ja bisweilen die Grenze der guten Sitte überhaupt zu überschreiten scheint. Eine Sammlung aber solcher volkstümlichen Erzeugnisse, darf, wenn sie überhaupt einen Anspruch auf Wert machen soll, sich an solche vermeintliche oder wirkliche Anstöße nicht kehren, sonst würde sie das treue Bild des Volks, das sie aufzustellen sich bestreben soll, verändern, und an seine Stelle vielleicht ein reineres, freilich aber ein gefälschtes und für die wahre Erkenntnis unbrauchbareres setzen.“

Die vollständigen Gutachten zur Sprichwörtersammlung von Frischbier sind in der 2. Ausgabe von 1865 ab Seite 312 nachzulesen:

https://books.google.de/books . . =Frischbier,+Gutachten+ . . /


Gleiches gilt auch für die Sprichwörter dieser Website. Lediglich Sprichwörter mit böswilligen Verunglimpfungen, negativen Vorurteilen über Polen, gegen Juden und andere Völker sind hier nicht zu finden. Entsprechende Sprüche wurden erst durch die Sammlungen von Wilhelm Körte (1837), Eiselein (1840), Braun (1840), Simrock (1846) und andere verbreitet und bekannt gemacht und von Wander mit weiteren in sein Deutsches Sprichwörter Lexikon übernommen. Selbst im 20. und 21. Jahrhundert nähren sie unterschwellig Vorurteile gegen Nachbarvölker und Fremde allgemein und werden aus diesem Grund gern von fremdenfeindlichen Gruppen als scheinbare Rechtfertigung genutzt. Wollte man, wie in dem oben genannten Gutachten, dem heute oft gebrauchten Ausdrücken in den sogenannten sozialen Medien folgen, müssten die heute entstehenden Sprichwörter wesentlich derbere Ausdrücke enthalten, als die bisherigen hier aufgeführten.


Auf dieser Seite sind mehrere Hundert, die allermeisten ohne derbe oder diskriminierende Ausdrücke, deutsche Sprichwörter mit D, von Der Er bis Der ist am Anfang und auf weiteren 70 Seiten alle anderen von A bis Z, alte und neuere in heutiger Rechtschreibung vorhanden. Wenn hier noch besondere, wichtige, neue oder häufige Sprichwörter aus Deutschland fehlen sollten, bitte eine Nachricht mit Quellenangabe/Fundort an die E-Mail Adresse auf der Seite Kontakt.


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Deutsche Sprichwörter von Der Er bis Der ist

  

Der Erben Tränen sind (ist) ein verdecktes Lachen.
Der Erben Weinen ist heimlich Lachen.
Des Erben Trauern ist ein verdecktes Lachen.

Der Erfolg hat viele Väter. Der Misserfolg ist ein Waisenkind.
Der Erste auf der Mühle schüttet.

Der Erste beim Feuer setzt sich am nächsten.

Der Erste beim Herd setzt seinen Topf, wohin er will.
Der Erste am Herd setzt sein Häflein*15 wohin er will.
Wer zuerst zum Herd kommt, setzt seinen Topf, wohin er will.

Der erste Betrug ist ärger als der letzte.
Der letzte Betrug ist ärger, als der erste.
(Das Sprichwort hat seinen Ursprung in der Bibel, Das Evangelium nach Matthäus 27, 64. Nach der Kreuzigung sollte das Grab Jesu bewacht werden: „auf dass nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn und sagen zum Volk: Er ist auferstanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger, als der erste.“ Bei Karl Simrock und allen, die bei ihm abgeschrieben haben, steht das erste der beiden Versionen des Sprichwortes. Die zweite Version entspricht dem Bibeltext und ist daher das richtige Sprichwort, wie es auch bei Körte und bei Kirchhofer steht und ins Sprichwörter Lexikon übernommen wurde.)

Der erste Echte gehört mit zum Geschlechte.

Der Erste fängt an.

Der erste Finder ist auch der erste Muter.
(Rechtssprichwort des früheren, gemeinen deutschen Bergrechts. Der Finder hat als Erster das Recht, das Eigentum an den von ihm gefundenen Mineralen zu beantragen (zu muten). Nach erteilter Mutung ist der Finder der Muter.)

Der erste Herr, das beste Geld, sagen die Kriegsleute.

Der Erste in der Schüssel, der Letzte heraus.

Der erste Kauf ist der beste.

Der erste Kaufmann der beste.
(Kaufmann bedeutet in diesem Sprichwort ein Mann, der kauft, heute: Käufer.)

Der Erste kriegt die erste Beute.

Der erste Mann ist Gold, der andre Kupfer und Blei.

Der erste Pillendreher war der Geißbock.

Der erste Schritt ist der schwerste.
Der erste Schritt ist immer der schwerste.
Der erste Strauß, der härteste.
(Strauß = aus dem Mittelhochdeutschen strūʒ, striuʒen = sträuben, spreizen, veraltetes Wort für Kampf, Auseinandersetzung, Streit, Kontroverse.)

Der erste Streich gilt zwei.

Der erste Trunk gehört zum Durst, der andere zur Lust, der dritte zur Freud, der vierte zur Trunkenheit, der fünfte zu Krieg und Zorn, der sechste zu Siechtum.

Der erste und letzte, die über den See gehn, ertrinken.

Der erste Wurf taugt nichts.
Der erste Zorn der beste.

Der Ertrinkende klammert sich am Strohhalm fest.

Der erworbene Pfennig ist besser, denn den man erst erwerben will.

Der Esel gehört in die Mühle, dass er Säcke trägt.
Der Esel gehört in die Mühle, dass er Säcke trägt, der Bauer hinter den Pflug.

Der Esel geht einen leisen Trab, es sei denn, dass er Futter hab.

Der Esel geht voran.

Der Esel hat lieber Stroh denn Gold.
Der Esel will lieber Stroh als Gold.

Der Esel hat von Jugend auf graue Haare.

Der Esel in der Haut und der Mönch in der Kutte spüren keine Schläge nicht.

Der Esel ist in die Spreu gefallen.
(Henisch erklärt das Sprichwort 1616 mit: „das ist, es ist ihm ein besonderes Glück widerfahren.“)

Der Esel ist König, denn sein Geschlecht regiert unter allen Tieren.

Der Esel ist so weise, er tanzt nur einmal auf dem Eise.

Der Esel ist unter die Affen gekommen.

Der Esel kann nicht Hasen jagen, der Hund kann nicht Säcke tragen.

Der Esel kommt nicht leichtlich wieder aufs Eis, da er einmal gefallen ist.

Der Esel lässt nicht so mit sich scherzen wie ein Hündlein.

Der Esel muss Säcke tragen.

Der Esel muss sich nicht um die Laute noch der Blinde um den Spiegel bewerben.

Der Esel nennt sich immer zuerst.
Der Esel nennt sich selbst zuerst.
(Die untere Variante steht so 1880 im Deutschen Sprichwörter Lexikon von Wander, wie viele andere auch ohne Quellenangabe. Es ist aber keine Schöpfung von Wander, wie etliche andere, wie das Buch „Sprichwörterlese aus Burkhard Waldis“ von Franz Sandvoss aus dem Jahr 1866 beweist, in dem der Wortlaut auf auf Seite 34 steht. Die obere Variante ist wahrscheinlich erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts in Umlauf, da keine älteren Belege zu finden sind. Beide sind heute nebeneinander verbreitet und bedeuten dasselbe. In der heutigen egoistischen Welt halten sich aber immer weniger an diesen oder andere guten Ratschläge, vom Ungebildeten bis hinauf zu Präsidenten.)
Der Esel reckt die Ohren hervor.

Der Esel sagt, es gelt ihm ein Herr gleich wie der andere, er müsse bei jeden ein Esel sein.

Der Esel schimpft das Maultier Langohr.

Der Esel starb und ward nie satt, der alle Tage neue Herren hat.
(Ursprung aus dem Narrenschiff von Sebastian Brandt.)

Der Esel trägt das Korn in die Mühle und bekommt Disteln.

Der Esel und der Treiber denken nicht eins.
Der Esel und sein Treiber denken nicht überein.
Esel und Eselstreiber haben nicht gleichen Sinn, wie Ross und Reiter auch nicht.

Der Esel will die Laute schlagen.

Der Esel will geschlagen, der Pöbel mit Gewalt regiert sein.
Der Esel will Schläge haben
(In vielen Sprichwörtern das Gleiche, die Esel werden geschlagen oder geprügelt, damit sie Lasten tragen. Früher mussten sie die Mehlsäcke schleppen. Heute sind es die Touristen, wie auf Santorin. Im Sprichwort und in der Wirklichkeit, wenn die Esel nicht mehr wollen oder wegen Überbelastung nicht mehr können, werden sie geschlagen, oder aussortiert.
Im Internet zu sehen: 
www.focus.de,  www.reisereporter.de,  Tierschutzverein-santorini)

Der Esel will's mit dem Löwen aufnehmen.

Der es gut hat und will es besser haben, der trachtet nach Unglück.

Der ewige Frieden ist auf dem Kirchhof.

Der Faden folgt der Nadel.

Der fängt wohl an, der das Ende bedenkt.

Der Faule hat keine Färbung.

Der Faulen ist es ein guter Schutz, dass sie ein Kindlein hat.
Es ist der Faulen ein guter Schutz, dass sie ein Kleinkind hat.

Der Faulenz und das Lüderli sind zwei Zwillingsbrüderli.
Der Faulenz und der Lüderli sind beide gleich Brüderli.

Der Faule spricht, es ist nicht Tag; der Arme, ich das nicht haben mag; der Geizige, ich muss hungers sterben; der Bettler, ich kann nichts erwerben, und lügen doch, so viel ihr ist, drum glaub nicht leicht, so du klug bist.

Der Faule spricht: es will nicht Nacht werden.

Der Faule stirbt über seinen Wünschen.

Der Faule sucht einen Herrn, der ihm in der Woche sieben Feiertage gibt.
Der Faule sucht einen Herren, der ihm die Woche sieben Feiertage gebe.

Der Faule trägt, der Fleißige läuft sich zu Tode.

Der Faulheit Acker stehet voller Nesseln.
(Bei Wander verwandeln sich die Nesseln erklärlicherweise in Disteln (Faulheit Nr. 2), obwohl er die richtige Quelle bei Winckler angibt.)

Der Faulheit Armut tut nach gahn, stark wie ein gewappneter Mann.

Der faulsten Sau gehört allweg der größte Dreck.

Der faulsten Sau wird oft die großen Möhren.

Der Feige muss weniger Beleidigungen schlucken als der Ehrgeizige.

Der Feinde Fehler soll man kennen, aber nicht nennen.

Der Feinde Gaben gelten nicht.

Der fetten Sau schmiert man nicht den Balg.

Der ficht gar ungleich der mit einem listigen Menschen zu tun hat.

Der Finger lehrt den Hintern sch...n.
(Das bedeutet, er versteht nichts davon.)

Der Fisch an der Sonne, das Fleisch im Schatten.

Der Fisch aus dem rechten Arm bringt viel um.

Der Fisch bleibt lieber in der Pfanne, als dass er sich ins Feuer schwingt.
Wenn ein Fisch aus siedendem Wasser ins Feuer springt, wäre es ebenso gut, er wäre in der Pfannen geblieben.

Der Fischer hat Handschuh an, da ihn der Krebs hatte gekniffen.

Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken.
Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Fische fangen insgemein am Haupt an zu stinken.

Der Fisch ist gern im Wasser, der Vogel in der Luft, das brave Weib daheim.

Der Fisch will dreimal schwimmen, im Wasser, im Schmalz und im Wein.
Ein Fisch muss dreimal geschwommen haben; nämlich im Wasser, im Schmalz, im Wein.

Der Fisch will schwimmen.

Der Fisch will schwimmen! sprach jener, als er vom Kalbsbraten gegessen und Wein begehrte.

Der Fleißige tut sich nimmer genug.

Der Flicken muss allemal größer sein als das Loch.

Der flieht das Licht wie der Teufel das Kreuz.

Der Fluch an niemand, denn am Flucher klebt.

Der folgende Tag ist des vergangnen Schüler.

Der folgt fürwahr nicht weisem Rat, der sich all Ding bekümmern lat.

Der Franzose gedenkt auf das Gegenwärtige, der Spanier auf das Künftige und der Deutsche auf das Vergangene.

Der Fraß kriegt nie volles Fass.
(Fraß = Vielfraß)

Der Fraß richtet sich mit den Zähnen sein Grab zu.

Der Frau Augen kochen wohl, die der Magd nicht.
Der Frauen Auge kochet wohl.
Der Frauen Augen kochen wohl, der Magd Augen nimmermehr.
Der Hausfrau Augen kochen wohl.

Der Frauen, die da wünschen, ihre Kinder wären im ersten Bad ertrunken, sind viel mehr denn der, die ohne Kinder gestorben sind.

Der Frauen, die die Küche gibt, verkündigt man die ganze Woche heilige Tage.

Der Frauen Mund schweigt nicht ein halbe Stund.

Der Frauen Trost nächst Gott ist ein frommer Hauswirt.

Der Freiheit Verlust ist schwere Klage.

Der Freitag hat sein eigen sonderlich Wetter.

Der Freunde Ausgang ist Leides Anfang.

Der Freunde Fehler soll man kennen, aber nicht nennen.

Der Freunde müssen mindestens zwei sein.

Der Freunde Rat ist gut, wenn er wohl gerat.

Der Freunde Weise soll man wissen, aber nicht hassen.

Der Friede im Haus muss von den Frauen herkommen.

Der Fromme fürchtet das Glück, der Böse das Gesetz.

Der Fromme genießt seiner Frömmigkeit.

Der Fromme liebt jeden, der Böse niemand.

Der Frommen Gesellschaft ist aller Heiligen Gemeinschaft.

Der Frommen Hoffnung fehlt nichts, denn was sie glauben, das geschieht.

Der frommen Menschen Sorgen nimmt Gott auf sich.

Der Frömmigkeit Schatz behält den Platz.

Der Frömmste muss allzeit das Kreuz tragen.

Der Frosch den Frosch liebt als sein Kind also die Leute gesinnt sind.

Der Frosch lässt das Quaken nicht.

Der frühe Vogel fängt den Wurm.
(Dies Sprichwort ist ursprünglich ein englisches Sprichwort, das erst zwischen 1980 und 1990 in Deutschland eingebürgert wurde. Erstmals wird es als „The early bird catcheth the worm.“ 1637 in „A Collection of English Proverbs“ von John Ray auf Seite 101 aufgeführt. Es bedeutet, durch frühes oder schnelles Handeln hat man Vorteile gegenüber anderen langsamen. Wer sich früher um etwas bemüht oder für etwas einsetzt, der wird schneller Erfolg haben. Ähnliche deutsche Sprichwörter: Morgenstund hat Gold im Mund. und Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.)

Der Fuchs ändert den Balg und bleibt ein Schalk; der Wolf ändert das Haar und bleibt, wie er war.
Der Fuchs ändert den Pelz und behält den Schalk.
Der Fuchs wechselt den Balg und behält den Schalk.
Der Fuchs verändert das Haar, aber der Mut bleibt, wie er war.
(Mit Mut ist das Gemüt, der Charakter. gemeint.)

Der Fuchs geht nicht zum zweiten Mal ins Garn.

Der Fuchs hat mehr als eine Höhle.
Der Fuchs weiß mehr denn ein Loch.

Der Fuchs grüßt den Zaun um des Gartens willen.

Der Fuchs hat dem Hund nichts zu gebieten.

Der Fuchs ist arm, so nur ein Schlupfloch hat.

Der Fuchs kann seinen Schwanz nicht bergen.

Der Fuchs kann seine Tücke nicht lassen.

Der Fuchs kommt so oft vor die Falle, bis er gefangen wird.

Der Fuchs lässt seine Haare wohl, aber seine Tücke nicht.

Der Fuchs muss oft den Hunger mit Schlafen vertreiben.

Der Fuchs sagt zum Hahn: Mein Herr, ich wollt eures Kopfs gern schonen und euch das Leben gönnen, aber ich kann eures Kopfs nicht entraten um meines hungrigen Magens willen.

Der Fuchsschalk, so hinter Ohren schläft, wacht auf.

Der Fuchs verkehrt wohl seine Haut, aber nicht sein Gemüt.

Der Fuchs wäre gern Vogt im Hühnerhaus.

Der Fuchs will ein Pilger werden.
(Das bedeutet, ein Schelm und Betrüger will sich in seinen alten Tagen bessern und gut werden. Dabei sollte man auf gar keinen Fall das vorangegangene Sprichwort vergessen und auf der Hut sein.)

Der Fuchs wird in seinem Bau gefangen.

Der Fuchs zieht eher vergeblich den großen Schwanz, ehe denn er dem Affen ein Härlein davon gebe, dass er sein Gesäß damit möcht bedecken.

Der Fuhrmann kann nicht allweg fahren, wie er will.
Ein Fuhrmann kann nicht allweg fahren, wohin er gern wollte.

Der Funke glimmt auch unter der toten Asche.
Unter grauer Aschen liegen öfters brennende Kohlen.

Der Furcht des Herrn mangelt nichts.
(Das bedeutet, dem Gottesfürchtigen mangelt nichts.)

Der Furchtsame fürchtet sich wie ein grindiger Kopf vor der Lauge.

Der Furchtsame greift dem Bock nicht bei den Hörnern.

Der Furchtsame sieht überall Gespenster.
(Die Übersetzung eines lateinischen Spruchs von Publilius Syrus, die inzwischen zum Sprichwort geworden ist.)

Der Furchtsame trägt sein Gemüt im Angesicht.

Der Furchtsam zappelt wie ein Fisch im Garn.

Der Galgen ist der Diebe Kanzel.

Der Gang vermag tausend Gulden*13.

Der Gebrauch ist in allen Sachen der beste Lehrmeister.
(Deswegen auch ein anderes Sprichwort: Übung macht den Meister.)

Der Geduldige treibt den Ungeduldigen aus dem Lande.

Der Geduld Sieg behält allein den Stich.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
(Ursprung des Sprichwortes ist das Evangelium nach Matthäus 26, 41, wo wörtlich steht: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ Das bedeutet, das Fleisch ist stärker als der vom Geist beeinflusste Wille. Das Fleisch, die Fleischeslust, wird immer wieder (vom Teufel) versucht oder verführt, und der Geist, der gut und gottesfürchtig ist zu schwach, sich dagegen zu wehren. Die Gewalt und Stärke der sinnlichen Neigungen gegenüber den geistigen Einflüssen ist zu übermächtig.)

Der Geiz hat keinen Boden.
Aller Welt Geiz hat keinen Boden.

Der Geiz hat seinen Gott im Kasten.

Der Geizige hat allweg ein' Ursach, die Händ' an sich zu ziehen.

Der Geizige ist allweg arm.
(Das bedeutet, der Geizige ist deswegen immer arm, weil er nicht das Geld hat, sondern das Geld hat ihn.)

Der Geizige ist ärger als ein Dieb; der Dieb stiehlt dem andern das Geld aus der Tasche, der Geizige sich selbst das Mark aus den Beinen.

Der Geizige ist das Ross, das Wein fährt und Wasser säuft.

Der Geizige ist ein reicher Bettler.
Der Geizige ist keinem gut, ihm selber der Ärgste.

Der Geizige ist sein eigener Folterknecht.
Der Geizige ist so dumm wie Salomons Esel.

Der Geizige macht sich seine Fahrt zur Hölle sauer.
Der Geiz macht sich seine Höllenfahrt sauer.

Der Geizige nicht voll werden kann; wer sammelt, spart's für 'nen andern Mann.

Der Geizige trägt seine Seele feil.

Der Geiz ist die Wurzel alles Übels.
Geiz ist eine Wurzel alles Übels.
(Sprichwort mit Ursprung in der Bibel, aus dem 1. Brief des Paulus an Timotheus 6,10 „Denn Habsucht (Geiz) ist eine Wurzel alles Übels; wie etliche gelüstet hat und sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“)

Der Geiz ist seine eigene Stiefmutter.

Der Geiz (Geizige) muss Hunger leiden, weil der Teufel den Schlüssel zum Geldkasten hat.
Der Geiz sammelt sich arm, die Milde gibt sich reich.
Der Milde gibt sich reich, der Geizhals nimmt sich arm.

Der Geiz und der Bettelsack sind bodenlos.
Geiz und Bettelsack sind bodenlos.
Geiz ist bodenlos, dem Bettelsack der Boden aus.
Den Geiz und Bettelsack kann niemand füllen.

Der Geiz wächst mit dem Gelde.

Der Geiz will nicht leiden, dass man das Licht bei ihm anzünde.

Der Geiz wird täglich jünger.
(Das bedeutet, wenn jemand geizig ist, wird dieses Laster meist größer, je älter der Geizige wird.)

Der Geldkasten des Wucherers hat einen Deckel, aber keinen Himmel darüber.

Der Gelehrt' wird bei der Geduld bewährt.

Der gelindeste Weg ist der beste.

Der gerade Weg ist der beste.
Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs.
(Ursprung des Sprichworts ist in der Bibel, Die Sprüche Salomos 12, 10: „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs; aber das Herz der Gottlosen ist unbarmherzig.“)

Der Gerechte muss viel leiden.
(Der Ursprung dieses Sprichworts liegt in der Bibel, Altes Testament, Psalm 34, 20: „Der Gerechte muss viel Leiden; aber der Herr hilft ihm aus dem allem.“)

Der gesamten Hand muss man Folge leisten.
(Eine Gesamthandsgemeinschaft ist eine Besitzergemeinschaft, der ein bestimmtes Vermögen gemeinschaftlich gehört. Über das Vermögen kann nur gemeinschaftlich verfügt werden.)

Der Gesandte ist unverletzlich.

Der Gescheite soll den Narren auf dem Rücken tragen.

Der Geschmack ist verschieden, dem einen gefällt die Mutter, dem andern die Tochter, und manchem alle beide.

Der gestohlene Pfennig gilt so viel als ein anderer.

Der Gesunde ist unwissend reich.
Der Gesunde weiß nicht, wie reicher ist.

Der Gesunde kann dem Kranken wohl raten.

Der Gesunde weiß nicht, wie reich er ist.

Der getreue Eckart warnt jedermann.
Der treue Eckhart warnet jedermann.
(Der treue Eckhart ist jemand, der andere vor drohenden Gefahren warnt und ihnen damit die Möglichkeit gibt, sich in Sicherheit zu bringen oder drohendes Ungemach abzuwenden. Der Sage nach soll er vor dem wilden Jäger oder Frau Holle herziehen, wenn diese nachts ihre unheilvollen Züge durch das Land unternehmen, um alle auf dem Weg zu warnen, sich umgehend in Sicherheit zu bringen und vor dem drohenden Unheil zu fliehen.)

Der gewinnt mit Geben, der Würdigen gibt.

Der gewinnt übel, der alles vertut.

Der gewinnt viel, der eine Hure verliert.

Der Glaube macht selig.
(Sprichwort in Anlehnung an die Bibel, das Evangelium nach Markus, 16, 16: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“)

Der Glaube macht selig, der Tod störrig.

Der Glauben empfängt, die Liebe gibt.

Der Glaube versetzt Berge.
Der Glaube wird ihm wohl in die Hände kommen.

Der Gläubigen Vaterunser und heiße Tränen sind wohl zu fürchten.

Der Gleisner*11 Reden sind durcheinander gehaspelt wie ein verworrener Strang Garn.

Der glücklichen Braut fällt der Regen in den Schoß.
Der glücklichen Braut regnet es in den Schoß.
Einer glückseligen Braut fällt der Regen in Schoß.

Der Gottlose deucht sich selbst der Beste zu sein.

Der Gottlose flieht, ehe man ihn jagt.

Der Gottlose hälts für ein Gelächter, das noch ein Kerl in diesem Kerl stecken soll.

Der Gottlosen Glück ist der Frommen Unglück.

Der Gottlosen Gut ist wie Wasser; mit Haufen läuft es zu, mit Haufen rauscht es wieder weg.

Der Gottlose schändet und schmäht sich selbst.

Der Greis verkehrt selten seine Weis.

Der Grindige kratzt sich leicht blutig.

Der Groschen, den die Frau erspart, ist so gut, als den der Mann erobert (erwirbt).

Der größte Fürst hat an einem Feind zu viel und an tausend Freunden zu wenig.

Der größte Schimpf der Kunst widerfährt, wenn sie dem dient, der's hält unwerth!

Der größte Schritt ist der aus der Tür.

Der Gute fragt mehr nach Worten, als der Narr nach Schlägen.
(Ursprung des Sprichworts ist die Bibel, Die Sprüche Salomos, 17, 10: „Ein Scheltwort dringt tiefer bei dem Verständigen als hundert Schläge bei dem Toren.“)

Der gute Tag fängt bald vom Morgen an.

Der gute Wille macht die Gabe angenehm.

Der gute Wille sieht weit.

Der gute Wille tut viel.

Der Gutgenug hat sein Lebtag nichts getaugt.

Der Gutgenug macht's schlecht genug.

Der gut ins Holz ruft, kriegt eine gute Antwort.

Der gut kaut, der gut verdaut.

Der Haber (Hafer) wird nicht vor der Gerste reif.

Der Hafen*15 straft den Kessel, dass er rußig ist.
Der Hafen*15 schilt den Kessel einen Schwarzen.

Der Hahn ist König auf seinem Miste.
Der Hahn weiß sich viel auf seinem Miste.

Der Hahn kann nicht so viel zusammentragen, als die Henne verscharren mag.

Der Hahn kräht am kühnsten auf eigenem Mist.
Der Hahn ist kühn auf seinem Mist.

Der Hahn kräht, so er die Henne getreten.

Der Hahn schließt die Augen, eh er kräht - weil er's auswendig kann.

Der Hammer und der Amboss geben harten Widerstoß.
Der Hammer und der Amboss haben gar harten Widerstoß.

Der Harm ist ein Bote, der gern lügt.
(Erklärung im Grammatisch-kritischen Wörterbuch von Adelung: Der Harm = in der höhern Schreibart für Gram gebraucht, und so wie dieses, einen hohen Grad der anhaltenden Betrübniß über ein Übel bezeichnet.)

Der Harnisch ist gut, wer ihn weiß zu brauchen.
Der Harnisch ist gut, wer sein (ihn) zu brauchen weiß.
(Aus der Erklärung dazu in „Luthers Sprichwörter“ aus seinen Schriften gesammelt von Heuseler und 1824 veröffentlicht: „Also ist die heilige Schrift auch gewiss genug. Aber Gott gebe, dass ich den rechten Brauch erwische.“)

Der Hase geht selbander zu Busch und kommt selbfünfzehnter wieder.
(selbander = seit kurzem (nach ~1950) veralteter Begriff aus dem mittelhochdeutschem stammend. Das Wort ist praktisch aus zwei einzelnen zusammengesetzt: Das selb aus selber oder selbst, und das ander aus der/die/das andere oder anders. Früher wurde der andere noch als der zweite verstanden, so hieß selbander man selbst und ein zweiter = zu zweit. Entsprechen sind auch mehr Personen möglich: selbdritt, selbviert und mehr. Als Synonym werden heute meist zusammen, gemeinsam, miteinander oder andere gebraucht. Je nach Kontext können sie aber ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Das Sprichwort bedeutet, der Hase geht zu zweit in den Busch und kommt mit 13 Jungen wieder.)

Der Hase ist gut zu streifen bis an den Kopf.

Der Hase will allezeit wieder dahin, wo er geworfen ist.

Der hat einen elenden Zustand, der keinen Feind hat.

Der hat einen gelenken Kopf, der sich vorn und hinten flöhen kann.

Der hat einen guten Engel gehabt.

Der hat eine zarte seidene Haut, da böse Karten durchdringen.

Der hat ein Wurm im Kopf, der ein vergoldet Rapier in ein alte verrissene Scheide steckt.
(Rapier = seit dem frühen 16. Jahrhundert verbreitete Stich- und Hiebwaffe. Das Sprichwort bezieht sich auf Ehepartner mit sehr großem Altersunterschied.)

Der hat ein wurmstichiges Hirn, der jedem will aus einem Hafen*15anrichten, da die Personen und Complexionen ungleich.
(complexion = Eigenschaft, Gattung, Natur, Neigung)

Der hat Fegeteufel genug, der mit einem bösen Weib zieht am Pflug.

Der hat gefährlich zu arbeiten, der mit Zweiflern hat zu streiten.

Der hat Geld, wie ein Sautreiber.

Der hat genug studiert, der sich selbst kennt.

Der hat Glück, der aus eines reichen Herren Säckel bauen lernt.

Der hat gut schinden, der es nicht empfindet.

Der hat gut tanzen, dem das Glück aufspielt.
(Ein seit Jahrhunderten bekanntes Sprichwort. Es wurde in mehreren Jahrhunderten immer wieder als deutsches Sprichwort (z.B. 1873 im „Sprichwörterschatz der Deutschen Nation“ von Wilhelm Binder) oder als Übersetzung aus einer anderen Sprache in alten Wörterbüchern aufgeführt. Wander hat es in seinem Deutschen Sprichwörter Lexikon als „Der tanzt wohl, dem das Glück aufspielt.“ unter Tanzen Nr. 6 ohne deutsche Quelle, nur mit vergleichbaren Sprichwörtern in dänischer, englischer, französischer und italienischer Sprache. Alleine Ida von Düringsfeld und Otto Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld haben 1872 in ihrem Buch „Sprichwörter der germanischen und romanischen Sprachen vergleichend zusammengestellt“, 1. Band unter Nr. 607 unter der Überschrift: „Wem das Glück pfeift, der tanzt wohl.“ 15 Varianten aus etlichen Ländern aufgeführt.)

Der hat seine Ehre nicht wohl verwahrt, der sein Weib mit einer andern spart.

Der hat seinen Dreck nicht weggetan, der ihn unter sein Fenster fegt.

Der Hausfriede kommt von der Hausfrau.

Der Haushalt hat ein großes Maul.
Der Hehler ist eben als (wie) der Stehler.
Der Hehler ist so gut (schlecht) als der Stehler.
Der Hehler ist so gut und so wohl strafwürdig als der Stehler.
Der Hehler ist wie der Stehler.
Der Hehler so schlimm ist als der Stehler.
Der Hehler und der Stehler sind ein Gumpisch.
Es ist eben der Hehler wie (als) der Stehler.
Hehler ist so gut wie Stehler.
(In fast allen alten Sprichwörtersammlungen aller Jahrhunderte findet sich dieses Sprichwort in etlichen Varianten. Die Wortwahl unterscheidet sich etwas, der Sinn ist immer gleich: Stehler und Hehler sind gleichermaßen beteiligt und verdienen die gleiche Strafe. Früher wurden sie gehängt, heute bekommen sie zum Leidwesen mancher nur geringe oder gar keine Strafen. Wer dem Staat Milliarden stiehlt (mit Cum-Ex oder Cum-Cum Geschäften oder anderer undurchschaubarer illegalen Steuertricks), hält sich zudem für ehrenwert und guten Geschäftsmann und fühlt sich ungerecht behandelt. Der stielt nicht einem, sondern allen ehrlichen Bürgern viel Geld. Wer dagegen ein paar kleine Münzen oder als Verkäufer etwas verdorbene Ware mitnimmt, bekommt meist die Höchststrafe. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Einige Sprichwörter halten den Hehler auch für schlimmer, da der erst den Anreiz zum Stehlen gibt.)

Der Hehler ist fauler als der Stehler.

Der Hehler ist schlimmer als der Stehler.

Der Hehler macht den Stehler.

Der Heiligen Gut hat der Wehre nicht.

Der heilige Sebastian ist gut, sprach der Mönch: wie ich auch mit ihm teile, so schweigt er und ist zufrieden.

Der Heireri sieht nit wohl, hört nit wohl und kann nit recht reden, drum muss er ein Pfarrer werden.

Der heißt ein rechter weiser Mann, wer Nützliches, nicht viele Dinge kann.

Der Helden oder großer Leute Kinder sind gemeiniglich eitel Plagen oder Landschaden.

Der Heller*17 macht den Gulden*13 ganz.

Der Henker ist ein scharfer Barbier.

Der Henker schlägt dem, so vor ihm ist, den Kopf ab und dräut denen, die hinter ihm sind.

In den älteren Sprichwortsammlungen und anderen Veröffentlichungen steht mal „Der Herrn“ und mal „Der Herren“ gleichwertig, je nach der damals üblichen Rechtschreibung.

Der Herren bitten ist gebieten.

Der Herren Gebot und ein irdener Topf währen oft beide gleich lang.

Der Herren Gnad ist gut, so man es mit Ehren haben kann.

Der Herren Güter sind nicht denen, die sie verdienen, sondern denen man sie gönnt.

Der Herren ist gut müßig gehen, sie scherzen nicht lang.

Der Herren Lust ist armer Gesellen Unlust.

Der Herren Sachen sind Sorgen und Wachen.

Der Herren Scheiß stinkt nicht, hätt es ein Armer getan, so wär's Sünd.
Der Herren tun stinkt nicht, tät es ein Armer, so wäre es Sünd.
Der Herrn * * * stinkt nicht, hätt es ein Armer getan, so wär's Sünd.
(Allmähliche Veränderungen eines Sprichworts, oder eine Form der Zensur? Bei Gruter steht 1610 auf Seite 15 die obere Version. Bei Petri steht 1605 die untere etwas abgeschwächte Version und 1862 steht im Buch „Historische Wörter“ von Wurzbach auf Seite 112 unter Nr. 79 die obere Version, das unaussprechliche Wort nur mit drei Sternchen angedeutet.)

Der Herren Sünde, der Bauern Buße.
Der Herren Sünden müssen die Bauern beweinen.

Der Herren Torheit ist der Untertanen Strafe.

Der Herren Zorn ist schwer.

Der Herr gebietet dem Knecht, der Knecht der Katze und die Katze ihrem Schwanze.

Der Herr muss selber sein der Knecht, will er's im Hause haben recht.

Der Herr sieht mit einem Auge mehr als der Knecht mit vieren.
Der Herr sieht mehr mit einem Auge mehr als die Diener mit vieren.

Der Herr soll von Linden sein, der Knecht von Eichen.

Der Herr von Gebhausen ist Tod.

Der Heuchler Demut ist zwiefältige Hoffart.

Der heutige Tag ist der Jünger des gestrigen.

Der Himmel ist den Gänsen nicht erbaut, den Gottlosen auch nicht.
Der Himmel ist nicht für die Gänse erbaut; für die Gottlosen aber auch nicht.

Der Himmel ist hoch, die Welt ist weit und ist manch Schalk darin.

Der Himmel ist hoch, man kann sich nicht dran halten.

Der Himmel ist hoch, wer aber hinein will, muss sich beugen.

Der Himmel ist schwer zu verdienen, sprach der Abt, als er vom Bette fiel und die Nonne ein Bein brach.

Der Himmel ist uns überall gleich nahe.

Der Himmel lässt der Ziege den Schwanz nicht zu lang wachsen.
Gott hat der Ziege den Schwanz nicht länger wachsen lassen, als sie ihn brauchen kann.
Gott lässt (ließ) der Ziege den Schwanz nicht länger wachsen, als sie ihn brauchen kann.

Der Himmel mag nicht fröhlich sein, wenn der Teufel da regiert.

Der Himmel sieht noch gar zu klar aus, dass es morgen sollte Reichstaler regnen.

Der hinkende Bote bringt die Wahrheit.
(Mit dem hinkenden Boten ist die Reue nach der Süde oder der bösen Tat gemeint.)

Der hinkende Bote kommt allzeit hernach und bringt die gewisseste Zeitung.

Der hinkende Bote kommt eben so weit.

Der hinkende Bote kommt hinterdrein.

Der Hinkende ist unter den Einbeinigen König.

Der Hirsch gar oft und bald entrinnt des Jägers Gewalt.

Der Hirten Not (ist) der Schafe Tod.
Des Hirten Not, der Schafe Tod.

Der Hochmut will überall die Hände mit am Pflug haben und meint, man könne kein Esel satteln, er muss dabei sein.

Der hoch sitzt, hat viel Neider.

Der Hof, die Liebe und die Jagd sind drei betrügliche Dinge.

Der Hofe Wind weht nicht allzeit gleich aus einem Loch.

Der Hoffärtige keift immer.

Der Hof ist ein Platz, da der Neid den Sitz seiner Herrschaft hält.
(Ein Sprichwort 1685 in der Sammlung von Winckler, Nr. 57 in den 600, aus dem Wander „Zu Hofe hat der Neid den Sitz seiner Herrschaft.“ für sein Deutsches Sprichwörter Lexikon macht.)

Der Hof ohne Tugend ist eine Nacht ohne Sterne.

Der Hof trägt wohl gute Früchte, es sind aber wenig, die solche genießen.

Der Holzwurm ist kein guter Würzkrämer.

Der Honig ist nicht weit vom Stachel.

Der Horcher an der Wand hört seine eigne Schand.
Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand.
Wer da lauschet hinter der Wand, der höret seine eigene Schand'.
Einem Horcher an der Wand gibt man einen Dreck in die Hand.
(Sprichwort mit großer Ähnlichkeit zur Bibel: Jesus Sirach 21, 24/26: Lutherbibel 1545: 26 „Es ist ein Unvernunft, einem an der Tür horchen, ein Vernünftiger hielt es für eine Schmach.“; Lutherbibel 1984: 26 „Der ist unerzogen, der an der Tür horcht; für den Vernünftigen wäre es sogar eine große Schmach.“; Lutherbibel 2016: 24 „Mangelnde Erziehung eines Menschen zeigt sich im Horchen an der Tür, aber den Einsichtigen beschwert die Schande.“; Lutherbibel 2017: 24 „Es ist ungezogen, an der Tür zu horchen; für den Vernünftigen wäre das eine große Schmach.“ Zürcher Bibel: 24 „Es zeugt von Unerzogenheit eines Menschen, an der Tür zu lauschen, der Einsichtige aber wird von solcher Schändlichkeit bedrückt werden.“; Menge-Bibel: „24 Es ist ein Ungezogenheit, an der Tür zu horchen; der Verständige fühlt sich dadurch mit Schimpf beladen.“)

Der Hosenteufel findet statt, seit Adams grünem Feigenblatt.
(Hosenteufel sind Pluderhosen, die im 16. Jahrhundert in Mode waren. Sie wurden bekämpft und verteufelt, wegen der Stoffverschwendung. Man brauchte sehr viel und teuren Futterstoff, meist aus Seide, für das hervorquellende Futter. Deswegen wurden Pluderhosen an vielen Orten von Kirche und Staat verboten oder beim Antreffen in der Öffentlichkeit zerstört, was für die Betroffenen sehr peinlich war, da sie ohne Hosen nach Hause gehen mussten.)

Der Hund bellt desto mehr vor seines Herrn Tür.

Der Hund benagt das Bein, weil er es nicht verschlingen kann.

Der Hund darf für die Schuh nicht sorgen.

Der Hund, der den Hasen aufspürt, ist so gut, als der ihn fängt.
Hunde, die den Hasen aufspüren, sind so gut, als die ihn fangen.

Der Hund, der nicht getroffen ist, schreit nicht.

Der Hunde bellen hindert niemand.

Der Hunde bellen jagt das Schwein aus dem Walde.

Der Hunde Gebete reichen nicht bis an den Himmel.
(Ebensolche Sprichwörter gibt es von Katzen: Katzengebet dringt nicht in den Himmel.)

Der Hund eher Fleisch denn Leder frisst, der Sau nicht viel ums Baden ist.

Der Hund frisst wieder, was er gespien hat.
(Ursprung des Sprichworts ist die Bibel, Die Sprüche Salomos 26, 11 und Der zweite Brief des Petrus, 2, 22„Es ist ihnen widerfahren das wahre Sprichwort: Der Hund frisst wieder, was er ausgespien hat; und: Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot.“)

Der Hund hat ihm das Maß genommen.

Der Hund hat mit der Haut bezahlt.

Der Hund ist ein getreues Tier, jedoch ist er lieber bei dem, der ihm ein Stück Brot gibt, als bei dem, der ihn schlägt.
Es ist ein getreues Tier um einen Hund.
(Das erste Sprichwort steht zwei Mal bei Lehmann, ebenso bei Wander. Einmal mit dem Stück Brot (Hund Nr. 208) und einmal mit „der in ätzet“ (Hund Nr. 440), obwohl es nur zwei Variationen desselben sind. Aus dem unteren, wie es 1780 bei Blum unter Nr. 104 steht, macht Wander unter Hund Nr. 441: „Ein Hund ist ein treu Thier.“ Ebenso wird man in vielen anderen „Sprichwörtern“ bei Wander das Original nicht wiedererkennen.)

Der Hund ist ein gutes Tier, eh' er beißt, bellt er.

Der Hund ist freudig auf seinem Mist.
Der Hund ist freudig auf seinem Mist oder stolz für seinem eigen Hofe.
Der Hund ist tapfer (stolz) auf seinem Mist (Hof).
Ein jeder Hund oder Hahn ist freudig auf seinem Mist.

Der Hund kennt sein Bein.
Der Hund kennt seinen Knochen wohl.

Der Hund kommt nicht bald wieder dahin, da er einmal geschlagen ist.

Der Hund, so der Küchen gewohnt, ist bös wieder heraus zu bringen.

Der Hund wedelt mit dem Schwanz, nicht vor dir, sondern vor dem Brot.

Der Hund weiß seines Herrn Willen wohl.

Der Hund wird nicht ledig, ob er gleich in die Kette beißt.

Der Hunger findet den Doktorhut.

Der Hunger gewinnt Ehr.

Der Hunger hat kein schwarzes Brot.

Der Hunger ist ein guter Koch und das beste Gewürz, er macht aus Schlehen Weinbeeren, aus rohen Bohnen Gebratenes.
(Siehe auch: Hunger ist der beste Koch.)

Der Hunger ist ein ungeduldiger Harrer.

Der Hunger ist ein Unger.

Der Hunger ist niemands Freund.

Der Hunger ist über alle Not, der schwerst und erbärmlichste Tod.

Der Hunger kost wenig, der Verdruss viel.
Der Hunger kostet wenig, der (Überdruss) viel.
(Ein Druckfehler 1837 in der Sprichwörtersammlung von Wilhelm Körte (Nr. 3061) macht aus „Verdruss“ den „Überdruss“, der danach 1846 von Karl Simrock (Nr. 5104), 1870 von Wander (Hunger Nr. 35) und anderen abgeschrieben wird. Bei Sebastian Franck 1541, 1. Teil Seite 62a, Petri 1605, Gruter 1610 Seite 15, Henisch 1616 Spalte 760, Zeile 9 und 1740 bei Sutor Seite 155 steht überall richtig der „Verdruss“.)

Der Hunger macht alle Speise süß, allein sich selbst nicht.

Der Hunger macht aus Brot Lebkuchen.

Der Hunger macht, dass die Speise wohl schmeckt.

Der Hunger scheint ihm zu den Fenstern (Augen) heraus.

Der Hunger treibt den Wolf aus dem Busch (Walde).
Der Hunger und die Kälte treiben den Wolf aus dem Busche.

Der Hunger treibt den Wolf ins Dorf.

Der Hunger treibt den Wolf über Schnee und Eis.

Der Huren beut man den Krug, dem Dieb den Galgen.

Der Huren Mund ist eine tiefe Grube, wem der Herr ungnädig ist, der fällt darin.

Der Huren Schönheit ist gleich den Früchten, so auf hohen Felsen wachsen und nur von Raben und anderen Raubvögeln genossen werden.

Der Hut gehört nicht auf einen solchen Kopf.

Der Hypochonder ist bald kuriert, wenn euch das Leben recht kujoniert.
(kujoniert, kujonieren = altes, noch wenig gebrauchte Bezeichnung für überwiegend unnötig und schlecht und bösartig bedrängen, drangsalieren, unwürdig behandeln, schikanieren, jemanden als Dummkopf behandeln, bei der Arbeit schlecht behandeln. Dieses Sprichwort steht so 1837 in der Sammlung von Wilhelm Körte unter Nr. 3101. Schon vorher wurde der Spruch in Goethes (1749–1832) Gedichten unter Sprichwörtliches veröffentlicht.)
Der Igel ist ein witzig Tier, ist für und für wider seinem Feind gerüstet.

Der im Geschrei ist, der muss den Namen haben, wie der Stamm Niemand.
(Geschrei = Gerücht)

Der in der Brühe steckt, dem geschieht am wehesten, andre achtens nicht.

Der in der Hölle weiß viel, wovon der Himmel gebaut ist.

Der irrt nicht, der auf unrechtem Wege umkehrt.

Der ist am reichsten, der Reichtum am wenigsten bedarf.

Der ist arm, den Sorgen grau machen.

Der ist bös, der ihm selbst nur gut ist.

Der ist der Best, der sein Gut brauchen lässt.

Der ist der Größte, den kein Unglück erniedrigt.

Der ist der Mann, der sich selbst regieren kann.

Der ist der Reichste, der an Begierden der Ärmste ist.

Der ist des Teufels Eigenmann, der nicht sein selbst will müßig gahn.
Der ist des Teufels eigen Mann, der sein selbst nicht will müßig gahn.

Der ist ein armer Knecht, der der Gemeinde dient.

Der ist ein armer Mann, der seinen nutz nicht fördern kann.

Der ist ein Gestreichter, so mit dem Engel gestritten hat.

Der ist ein kluger Mann, der sich in Menschen schicken kann.

Der ist ein Künstler, der das macht, was seiner Kunst gemäß ist.

Der ist ein Mann, der starke Worte reden kann.

Der ist ein Narr, der bei den Narren Verstand sucht.

Der ist ein Narr, der das Fleisch für die Knochen gibt.

Der ist ein Narr, der dem Pferde zu Gefallen zu Fuß geht.

Der ist ein Narr, der den Esel beim Schwanze zäumt.

Der ist ein Narr, der Haare auf dem Ei sucht.

Der ist ein Narr, der keine Ziege tragen kann und doch vermisst, einen Ochsen zu tragen.

Der ist ein Narr, der sein eigen Gut daran setzt, etwas für einen anderen zu gewinnen.

Der ist ein Narr, der sich auf sich alleine verlässt und nichts klüger, der nur mit eines andern Rat leben muss.

Der ist ein Narr, der sich die Augen ausreißt, damit auch andere blind sein mögen.

Der ist ein Narr, der sich durch seinen Leib sticht, um anderer Kleider zu durchbohren.

Der ist ein Narr, der sich nimmt an, was er nicht vollbringen kann.

Der ist ein Narr, der sich zwischen zwei Degen wirft oder seine Hand zwischen Tür und Angel steckt.

Der ist ein Narr, der zu Unzen gewinnt und mit Pfunden wegwirft.

Der ist ein Narr in Leib und Blut, der armen Menschen unrecht tut.

Der ist ein starker Mann, der Laster überwinden kann.

Der ist ein Tor, der geizen tut nach falscher Ehr aus leichtem Mut.

Der ist ein Tor, der hingibt, was er selbst bedarf.

Der ist ein weiser kluger Mann, der sich in sein Stand schicken kann.
(Bei Christoph Lehman 1630 (Florilegium Politicum, Seite 789, Nr. 25) und Andreas Sutor 1716 (Latinum Chaos, Ein Teutsches durcheinander, Seite 367) steht hinter dem Sprichwort der Kommentar: „und nicht tracht nach mehr andern Sachen, die ihm sein Leben schwerer machen, wer das nicht kann, der ist elend und bleibt gemartert bis ans End.“ Das zeigt die frühere Einstellung der Menschen, die meinten, jeder solle sich mit seinen Verhältnissen zufrieden geben. Besonders die vielen Armen sollten nicht nach mehr Geld, Reichtum oder gesellschaftlichen Status streben. So hatten die wenigen reichen, mächtigen und der Adel Sicherheit vor Neidern, Konkurrenz und Verlusten. Heute sind viele Besitzende der gleichen Meinung und wollen bei Mangel und Notzeiten lieber die Sozialleistungen und Hilfen für Bedürftige kürzen um die Reichen und Wohlhabenden vor verkraftbaren Verlusten zu schützen. Warum soll man denn den Reichen, von denen man sich Vorteile erhoffen kann, verschmerzbare Beiträge abverlangen, wenn man den vielen Armen und Wehrlosen das bisschen zum Leben nehmen kann? Lieber bezahlen die Reichen hunderte Lobbyisten, bevor sie nur Pfennig für die Allgemeinheit opfern müssen.)

Der ist ein weiser Mann, der Schickelmann zur Hand gehen kann.
(Die Erklärung zu Schickelmann steht in der Sprichwörtersammlung von Christophorum Lehman aus dem Jahr 1630 auf Seite 920 unter Nr. 23: „Also haben die Alten die Zeit genennt und haben gesagt: Schickelmann wohnet an der Straßen. Das ist soviel gesagt: Jedermann lebt in der Zeit und muss drin wandeln, und die Zeit lehrt jeden, was er tun und lassen soll; sie leiht, regiert, straft, bessert, bösert und macht mit den Menschen, was sie will.“)

Der ist ein weiser Mann, der seinen nutz verschweigen kann.

Der ist ein weiser Mann, der zu Zeiten harren kann.

Der ist ein weis verständig Mann, der Freund und Freundschaft halten kann.
(Dieses Sprichwort steht schon 1605 im Buch „Der Teutschen Weissheit“ vom evangelischer Theologen und Sprichwörtersammler Friedrich Peters (Petri) (1549-1617). 11 Jahre später schreibt Georg Henisch (1549 - 1618) in dessen Buch „Teutsche Sprach und Weißheit Thesaurus“ in Spalte 1233, Zeile 50 es wahrscheinlich ab und verwechselt dabei Freund und Feind: „Der ist ein weis verständig Mann, der Feind und Freundschaft halten kann.“ Es gehört wesentlich mehr Weisheit dazu, Freund und Freundschaft über lange Zeit zu halten, als Feinde.Für Feindschaft ist keine Weisheit notwendig, Feinde kommen schon von selbst.)

Der ist ein weis verständig Mann, der Glück und Unglück tragen kam.

Der ist ein weis verständig Mann, der sich selbst kennen kann.

Der ist entweder gar Fromm oder schlechten Verstands der geschickt ist zu hohen Ehren zu kommen und sich mit einem geringen vergnügen lässt.

Der ist fromm, der alle Schalkheit weiß, und tut sie nicht.

Der ist fromm, der ungezählt Geld wiedergibt.

Der ist für gesund zu schätzen, dem ums Herz wohl und warm ist.

Der ist fürwahr ein selig Mann, der jetzt und ohne Spott leben kann.

Der ist fürwahr ein unweiser Mann, der seine Schande nicht (ver)schweigen kann.

Der ist fürwahr ein weiser Mann, der seinen Zorn wohl zähmen kann.

Der ist fürwahr ein weiser Mann, der seine Zunge wohl steuern kann und seinen Dingen raten.

Der ist fürwahr ein weiser Mann, der Zorn und Rach kann fahren lan.

Der ist (gar) ein weiser Mann, der von Holdern Abbrech machen kann.
(Mit Holdern ist der Holunder oder Fliederbeerbusch (Sambucus) und mit Abbrech ist abbrechen gemeint. Übertragen bedeutet es, das man Holunder = etwas Holdes (was einem günstig, gnädig, treu, gewogen ist oder gern hat), abbrechen kann, der sich vom Liebsten zu trennen imstande ist. Ein weiser Mann wird seine eigenen Interessen abbrechen und hintenan stellen, wenn es besser für die Allgemeinheit oder dem anderen ist.)

Der ist geizig, der trachtet, reich zu werden, denn der fällt in die Stricke des Teufels und tut andern Schaden.

Der ist gescheit, der etwas auf anderer Unkosten lernt.

Der ist glückhaft, der seiner Natur und nicht weisen Rat folgt.

Der ist glückselig, der auf eines andern Unkosten klug wird.

Der ist Hudelmanns Art, der meint, jeder soll seines Feinds Feind sein.
(Hudelmann = Lumpenmann, liederlicher Mann, ein auf Müßiggang, Faulheit und Kurzweil bedachter Mensch, hudelmanns Gesind = schlechtes Gesindel. Im 16. und 17. Jahrh. oft vorkommendes Wort.)

Der ist kein Feind, der keinen Schaden tut.

Der ist kein Feind, der mit dem Leib unter Feinden, und mit dem Herzen bei Freunden ist.

Der ist kein Meisterkoch, der Fleisch nicht auf mancherlei weise kann kochen, dass es jedem schmecken könne.

Der ist kein Mensch, der nicht eine Ader vom Narren hat.

Der ist lange tot, der vorm Jahre starb.

Der ist nicht arm, der nichts hat, sondern dem viel abgeht.

Der ist nicht arm, der nichts hat, sondern der viel verlangt.

Der ist nicht arm, der seines Eigentums Herr ist.

Der ist nicht der Tapferste, der sich niemals gefürchtet, sondern der, der die Furcht überwunden hat.

Der ist nicht Ehren wert, der Geld (Gold) von seinem Buhlen begehrt.
(buhlen = um etwas werben, sich um etwas/jemanden bemühen. Buhle = Liebschaft, Geliebte, Liebesverhältnis)

Der ist nicht frei, der dem Teufel zu eigen ist.

Der ist nicht ganz frei, der noch ein Stück von seinen Banden nach sich schleppt.

Der ist nicht ganze weise, der nicht einmal ein Narr kann sein.

Der ist nicht gescheit, der lieber der Katz den Rücken auf als abstreicht.

Der ist nicht witzig, der einen alten Sack mit Seide näht.
(Das Sprichwort bezieht sich auf einen jungen Mann, der eine alte Frau zur Ehe nimmt.)

Der ist nicht witzig, der nicht weis, wenn er ein Narr soll sein.

Der ist nirgends, der allenthalben (überall) sein will.

Der ist recht arm, der seine Armut nicht verhehlen kann und der sein Speis mit saurer Arbeit sucht und sie nicht kann gewinnen.
(Heute wie vor 500 Jahren: Viele haben eine saure (schwere) Arbeit, die oft unterbezahlt wird. Trotz saurer, schwerer Arbeit in Vollzeit müssen viele zusätzlich staatliche Hilfen in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen. Sie werden als „Arm“ gebrandmarkt und machen doch die Arbeit, für die sich andere zu fein sind und auf die Arbeitenden herabblicken, und doch ohne diese zu gering Bezahlten selbst nicht leben und zurechtkommen können.)

Der ist recht arm, welcher von Gott verlassen ist.

Der ist recht edel in der Welt, der Tugend liebt und nicht das Geld.

Der ist reich, des Reichtums niemand weiß.

Der ist schlecht und recht, der in Hosen und Hemden badet, der meint, eine vergüldet Nussschal sei lauter Gold.

Der ist sehr leichtfertig, der umsonst lügt.

Der ist so arm, dass der Bettelsack an der Wand verzweifelt.

Der ist tugendhaft, der tut, was gut ist und der das Laster meidet.

Der ist verzagt, der des Streichs erwartet.

Der ist vorm Neid sicher, der in Armut, Unglück, Schande und Lastern lebt.

Der ist weis' und wohl gelehrt, der alle Dinge zum Besten kehrt.
Der Mann ist aller Ehren wert, der alle Dinge zum Besten kehrt.
Der Mann ist ehrenwert, der alle Dinge zum Besten kehrt.
Der Mann ist weis und wohlgelehrt, der alle Dinge zum Besten kehrt.
Weis ist der und wohlgelehrt, der alles gern zum Besten kehrt.

Der ist zu Hofe am übelsten dran, von dem man weder Gutes noch Böses redet.

Der ist zunächst an den Grenzen der Tugend, der den Schalksbalg hat abgestreift.


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