Macht und Will können viel.
Mädchen sagen Nein und tun es doch.
Mädchen und Eier muss man nicht lange aufheben.
Mägdlein, lass dich nicht betrügen, du musst sonst rumpeln mit der Wiegen.
Magere Hände machen feiste (fette) Füße.
(Indem die Hände fleißig arbeiten bleiben sie mager und schlank, die Füße profitieren dabei von der dadurch möglichen besseren und reichhaltigeren Nahrung.)
Magere Pferde schlagen selten.
Mag er's im Bettstroh verzehren.
Magst auch das kleinste Ding wohl ehren: Eine Nadel kann einen Schneider ernähren.
Mag's wie es will geraten; das Frühe geht vor dem Spaten.
Maler und Poeten sind Freiherrn.
Man achtet nicht, was die Sau auch schreit.
Man ändert nicht die Fürsten, es wechseln nur die Namen.
Man ändert reisend das Gestirn, nicht das Gehirn.
(Samuel Christoph Wagener erklärt das Sprichwort 1813 in seinem Sprichwörter-Lexikon mit kurzen Erläuterungen mit: „Wem es an natürlichen Geistesanlagen fehlt, den wird selbst das sonst bildende Reisen in kultivierten Ländern nicht viel klüger machen.“)
Man ändert sich oft und bessert sich selten.
Man bedarf der schwachen Glider am Leib auch.
Man bedarf mehr Dorfprediger denn Doktoren.
Man bedarf zehn Lügen, bis man einer helf.
(Das bedeutet, man braucht 10 weitere Lügen, um einer Lüge zu helfen, das heißt, wieder aus der Welt zu schaffen.)
Man beerbt niemand bei lebendem Leib.
Man befleißigt sich insgemein in allem tun, dass der Anfang gut sei, danach gehts auf die Hefen.
Man bekommt kein Fleisch ohne Beilage.Man belobt insgemein mit dem Munde und bezahlt mit den Füßen.(belobt, beloben = loben, eine Sache oder jemanden loben.)Man besieht zu spät den Stein, darüber man fiel und brach ein Bein.
Man betrügt die äußerlichen Sinne und betrügt inneren Verstand, danach man einem eine Brille aufsetzt.
Man bindet die Ochsen bei den Hörnern und die Menschen bei den Zungen.Man bind manchen Sack zu, ehe er voll ist.
Man bittet einen Menschen zu Gaste und schickt ein Schwein zu Hause.Man bittet nicht einen jeden aus Lieb und Freundschaft zu Gast.Man bläst so lange in die Asche, bis einem die Funken in die Augen stieben.Man bohrt leichter einen Brunnen, als dass man verfallene aufdeckt.Man bohrt nicht gern durch dicke Bretter.Man braucht dem Teufel keinen Boten zu schicken.Man braucht die Sporen zu guten und bösen Pferden.
Man braucht keinem Narren Schellen anzuhängen.
Man braucht nicht Läuse in den Pelz zu setzen, sie kommen von selbst (doch wohl) hinein.
Man darf nicht Läuse in Pelz setzen, sie wachsen selbst darin, oder kriechen selbst wohl rein.
Man hat nicht nötig, Läuse in den Pelz zu setzen, die kommen doch wohl hinein.
Man braucht viele Worte, um ein Wort zurückzunehmen.Man bricht die Kunst nicht vom Zaune.Man bricht drum keinen Galgen ab, dass ihn der Dieb hasst.Manch Bubenstück hat solchen Schein, als sollt es eitel Tugend sein.Manche Beschwernis sind groß und fast unleidlich, jedoch sind sie wie ein Fieber, dabei man Hoffnung hat, davon zu kommen.Manche bringen ihr Gras viel teurer als andre ihre Blumen heraus.Manche haben bedenken in der Kirche zu speien, nicht aber gar auf den Altar zu schmeißen.Manche, indem sie sich zu viel segnen wollen, stoßen sich selber mit dem Kreuz die Augen aus.Manche ist Jungfrau und im Herzen Weib.
Manche scheint eine Jungfrau nur und ist, bei Licht b'sehn, eine Hur'.Manche Jungfer will wohl keinen Mann haben, sie ist aber gern bei dem Volke, das Frauen machen kann.Manche Leute bilden sich ein, ihre Eier seien mehr wert als anderer Leute Hühner.Manche Menschen sind so fein vom Verstande, wie die Spinnenweben, die zu nichts anders dienen als Fliegen fangen.Manche Menschen sind so glücklich, wie die Erdschwämme, die in einer Nacht aufgehen und doch bald in silbernen Schüsseln aufgetischt werden.
Manchem ging es wohl, der die Riemen, damit er den Säckel bind, zum Maul gebraucht.
Manchem stehen Ämter und Ehren an, wie einem Ochsen ein Sattel und einem Esel ein Bischofshut.Manchen betrifft größere Gefahr zu Haus, als im Krieg.
Manchen hält man für fett und ist nur geschwollen.Mancher scheint fett und ist doch nur geschwollen.
Manchen hat seine Kunst tausend
Taler*34 gekostet, und er würde viel gewinnen, wenn ihm einer zehn Pfennig darum gäbe.
Manchen kann man zäumen, satteln und reiten, wie man will; mancher tuts nicht.Manchen Leuten muss alles Fisch sein, was in ihr Netz kommt.Mancher alter grauer Mann trägt noch seinen Kindskopf.Mancher Amtmann gibt seinem Herrn einen Nutzen vor, da sieben Schäden hinter sind.Mancher Amtmann gibt seinem Herrn großen Nutzen vor, da sieben Schäden dahinter liegen.
Mancher Baum blüht schön, aber es fällt viel ab, oder trägt doch keine Frucht.
(Christoph Lehmann erklärt es 1630 mit: „das ist, mancher lässt sich wohl an, aber fährt nicht fort.“)
Mancher baut ein Haus und muss zuerst hinaus.
Mancher baut ein Haus und ist der Erste draus.
Mancher baut Schlösser in die Luft, der keine Hütte auf dem Lande bauen könnte.
Mancher baut sich selbst wie die Kinder Häuser, Dorf und Städte von Kartenblättern, die so leicht umzustoßen als sie gemacht.
Mancher behängt einen Klotz mit Gold und Ehr, so er Glück hat.
Mancher bessert sich wie ein junger Wolf, wie der Pelz vom Waschen, wie der Fisch an der Sonn.
Mancher besteht bei der Wahrheit wie Butter bei der Sonne.
Mancher bildet sich ein, er sei ein Hühnlein, ehe er noch zum Ei gelegt.
Mancher bildet sich ein, er sei im Sattel, ehe er den Fuß im Bügel hat.
Mancher braucht einen neuen Menschen und kauft nur einen neuen Rock.
Mancher büßt, was andere verbrochen haben.
Mancher muss büßen, was andere verbrochen haben.
Mancher den Galgen mehr scheut, denn Zucht und Ehrbarkeit.
Mancher denkt, er wäre der Herrgott selbst.
Mancher denkt nicht weiter als ein fettes Schwein springt.
Mancher, der kein Haar auf dem Kopf, bekommt doch einen tüchtigen Zopf.
Mancher hat kein Haar am Kopf und kriegt doch einen tüchtigen Zopf.
Mancher der mit sehenden Augen verblendet ist, meint doch, er sehe wohl und lässt sich keines bessern weisen, wie die Närrin Harpaste in Senecas Haus.
(Die erblindete Närrin Harpaste lebte in Senecas Haus. Sie wollte in ein anderes Zimmer gebracht werden, da es im bisherigen zu dunkel geworden sei. Aus einem Briefe von Seneca.)
Mancher, der nie ein Pferd beschritt, singt oft ein Reiterlied.
Mancher, der sich für klug hält, hat kaum so viel Witz, als er täglich im Haus bedarf.
Mancher Diener beträufelt sich mit seinem eigenen Schmalz.
Mancher droht und zittert vor Furcht.
Mancher Ehr an einem Ding sucht das ihm nur zum Spot reicht.Mancher entfleucht dem Falken und wird vom Sperber gehalten.
Mancher fällt mit der Tür ins Haus, fängt viel an und richt nichts aus.
Mancher fegt vor eines andern Tür und geht in seinem Haus im Kot über die Ohren.Mancher feiert nicht allen Heiligen.
Mancher findet überall seine Weide.
Mancher fischt Tag und Nacht und kann doch nichts fangen.Mancher fliegt mit seinen Gedanken so hoch, dass er weder Himmel noch Erde berührt.Mancher flieht einen Bach und fällt in den Rhein.Er meidet das Bächlein und fällt in den Rhein.Mancher flieht vor dem Rauch und fällt gar in das Feuer.Es geschieht nicht selten, dass wer den Rauch flieht, in das Feuer fällt.Oft flieht einer den Rauch und kommt gar ins Feuer.Wer dem Rauch entlaufen (entgehen) will, (der) fällt oft gar ins Feuer.Mancher fragt, wie es mir geh`, ging` es mir wohl, es tät` ihm weh.Es fragt wohl mancher, wie mirs gehe, wenn mirs wohl geht, das tut ihm wehe.Mancher fürchtet bei hellem Tag, er gehe im Finstern.Mancher fürchtet das gewiss und ungewiss, das sicher und unsicher, er denkt selbst Gefahr, da keine ist.Mancher fürchtet sich vor seinem Schatten, und hat ein Löwenmaul und ein Hasenherz.Mancher geht mit Jucken ins Bad und kommt mit der Krätze wieder.Mancher gewinnt Gut mit Sünden, dass er muss in der Hölle drum braten.(Gut meint hier nicht das Gute, sondern die weltlichen Güter, den Reichtum, den die Menschen zu Lebzeiten anhäufen oder zusammenraffen.)Mancher gibt mit Löffeln und nimmt mit Scheffeln*30.Mancher nimmt mit Scheffeln*30 und gibt mit Löffeln.Mancher Graukopf steckt noch in der Bubenhaut und geht sein Lebtag in Kinderschuhen.Mancher ist alt von Jahren und steckt doch in der Bubenhaut und geht sein Lebtag in Kinderschuhen.Mancher greist, eh er weist.
Mancher hält Brief und Siegel, lässt sich aber an die Worte nicht binden.
Mancher hält Glauben in einem Kleinen, auf dass er desto leichter betrüge in einem Großen.
Mancher hält Haus, als müsst' er über Nacht verderben.
Mancher hält keine Hure, behilft sich mit ehrlichen Weibern.
Mancher hält nicht Farb, ist ein Wetterhahn, der sich mit allem Wind umdrehen lässt.
(Das Sprichwort meint einen Unbeständigen und unzuverlässigen, einen Wetterwendischen, der sein Mäntelchen in den Wind hängt. Sobald es etwas schwieriger wird, lässt er den anderen im Stich und sucht nur seinen eigenen Vorteil.)
Mancher hält seine Anschläge für Eisen, da sie doch nur faul Holz sind.
Mancher hält seinen Beutel auf'n Goldgulden, und hat wohl kaum einen Pfennig darin.
Mancher hält sich für ein hörnen Siegfried, den jeder muss fürchten.
Mancher Handel ist so grob und knorrig, es könnte ein Blinder durch eine Brille sehen.
Mancher Handel ist wie ein Igel, wo man ihn angreift, so sticht er.
(Als Alternative gibt Christoph Lehmann noch „steckt voll Nadeln, wo man's angreift, da sticht man sich.“ Da Gleiches für die Alternative zu demokratischen Parteien in Deutschland gilt, sollte man sich davon fernhalten, geschweige denn wählen, um sich nicht an den Folgen zu stechen.)
Mancher hasst, was er sieht und muss leiden, wenn's geschieht.
Mancher hat da noch mehr Witz als eine Gans, wenns regnet, so gehet er ins trockne.
Mancher hat den Kopf voll Mücken und kann keine im Gemach leiden.
Mancher hat den Leuchter in der Hand und sucht ihn damit.
Mancher hat den Lügenberg an allen Orten durchstiegen.
Mancher hat den Namen, als spinne er das beste Garn, da er doch nur Sackgarn spinnt.
Mancher hat den Namen und nicht die Tat.
Mancher hat den Verstand in der Faust, er weiß mit keinem Rat zu helfen, sondern mit Stärke und der Faust.
(Leider setzen heute mit Trump und Putin die Präsidenten der beiden größten Atommächte nur noch auf Stärke ohne Verstand und Rat. Ihre Unberechenbarkeit und Willkür könnten die Welt in den Abgrund der Steinzeit zurückführen, oder das menschliche Leben auslöschen.)
Mancher hat ein Dorn im Fuß, dass er nicht lang auf einem Fuß stehen kann.
(Das Sprichwort meint einen Wankelmütigen, der je nach eigenem Vorteil seine Meinung ändert und keinen festen Standpunkt hat oder vertritt.)
Mancher hat eine große Wäsche von wenig Lumpen eingelegt.
Mancher hat einen ehrlichen Mut, wenn er nicht viel hat Geld und Gut.
Mancher hat einen Kopf wie ein Mörsel, man muss alles drin stoßen.
(Christoph Lehmann fügt 1630 in seiner Sammlung hinzu „Ein andrer hat ein riss im Hirn, das alles raus rinnt und nichts behält.“)
Mancher hat ein ganzes Maul voll Wolfszähn.Mancher hat ein Gewissen wie eine Bockshaut, die sich selbst dehnt.
Mancher hat ein herzhaft Maul und furchtsamen Degen.
Mancher hat ein so enges Gewissen, man möchte mit einem Fuder Heu hindurchfahren.Er hat ein Gewissen, man könnte mit einem Fuder Heu hindurch fahren.Mancher hat ein weites Gewissen wie Franziskanerärmel.Mancher hat Gott im Mund und den Teufel in Händen.Mancher hat gut Glück zu Ehr, Reichtum und Gewalt hat aber dabei bös Geschrei und kein Lob.
Mancher hat mehr Glück zu Haus als draußen, mancher mehr draußen als zu Haus.
Mancher hat mehr in der Aschen als ein anderer in der Taschen.
Mancher hat mehr Salz in der Fremde gegessen als daheim und ist doch ungesalzen wieder heimgekommen.Mancher hat mehr Salz in der Fremde gegessen, dann daheim, und ist doch ungesalzen wiedergekommen.Mancher hat viel Salz in der Fremde gegessen und ist doch ungesalzen wiedergekommen.Mancher aß viel Salz in der Fremde und kommt doch ungesalzen wieder.Mancher hat mit einem Mitleid, wie mit der Gans, dass sie im Winter Barfuß geht.Mancher hat noch eine Stunde Weges (einen kleinen Weg) zum Tode, und sammelt Zehrung, als hätte er noch hundert Jahre dahin.
Mancher hat seine Lust und freut sich, wenn andere fehlen und sündigen.
Mancher hat sein Herz im Maul, mancher hat sein Maul im Herzen.
Mancher hat so ein dickes Fell, dass er kein Rückgrat braucht.
Mancher hat so großen Balken in Augen, dass kein Licht davor kann hinein kommen, und lässt sich nicht lenken noch bereden.
Mancher hat viel Mäusenester oder kein Gelenk im Hirn, aber man siehts doch nicht an der Stirn.Mancher hat was Gutes im Sinn, dem was Schlechtes in den Weg kommt.Mancher Herr, der ein Pferd hat verloren, stellt ein Schaf dafür ein an seiner statt.Mancher Herr hält mehr auf einen fremden Esel, als auf ein gut deutsches Ross im Stall.
Mancher Herr schreit sich auf der Jagd heiser, wenn er einem Untertanen soll Bescheid geben, so ist er stumm.
Mancher Herr will lieber ein tapferer geschickter Jäger als ein löblicher Regent sein.
Mancher hilft einem andern das Spiel gewinnen, zu seinem Schaden.
Mancher hört das Gras wachsen und will das Magnifikat verbessern.Mancher Hund will den Fuchs nicht beißen.Mancher hütet sich vor dem Schwert und kommt an den Galgen. Mancher ist der Sauen Speis gewohnt und gilt ihm gleich, ob man's süß oder sauer anrichtet.
Mancher ist ein Baumausreißer, trotzt dem Teufel, der dem Teufel ein Horn ausreißen darf.
Mancher ist eine schöne Monstranz und ist kein Heiligtum drin.
Mancher ist ein Freund, wie ein Fuchs der Hühner, oder ein Katz des Specks.Mancher ist ein Mann, der's kann, doch sieht man ihm nicht an, dass er's kann.
Mancher ist fröhlich und sein Herz erfährt`s nicht.
Mancher ist geschickt andern zu raten und ist ihm selber nichts nütz.Mancher ist hochgeboren und nicht hocherkoren, mancher hocherkoren und niedergeboren.Es sind viele hocherkoren und nieder geboren, viele hochgeboren nicht hocherkoren.
Mancher ist im Alter mit Lastern behaftet, wie ein Schlittengaul mit Schellen.Mancher ist mehr geschmückt als ein ganzer Kram.Mancher ist mild aus andrer Leut Beutel.Mild aus andrer Leut Säckel.
Mancher ist mit Ehren beladen, wie ein Krebs mit Baumwoll.Mancher ist mit Tugend beladen, wie ein Krebs mit Baumwolle.Mancher ist nicht ein positivus, und man macht ihn zum superlativo, davon gleich lange Eselsohren wachsen.Mancher ist reich an Geld und arm im Beutel – bei seiner Frau.
Mancher ist so demütig, dass er doch von andern Leuten will unverachtet sein.
Mancher ist so einfältig wie jener, der wollt nicht Wasser trinken, er meint, weil Ihm das Wasser an die Nase ging, er müsst ersaufen.
Mancher ist so glückhaft, wenn er ein Taler*34 aufs Haus wirft, so fallen zwei herab.
Mancher ist überall daheim, wo es ihme wohl geht.
Mancher ist wie eine Uhr, die anders zeigt und anders schlägt.
Mancher ist wie ein Maulbeerbaum, der trifts immer mit der Blüte und Frucht, er schlägt nicht aus, die Kälte sei dann vorüber.Mancher ist wie ein rasender Hund, beißt jedermann, Bekannte und Unbekannte.Mancher ist wie ein Storch, er sucht immer sein Nest wieder.Mancher ist willkommen wie der Rauch in Augen, wie ein Floh im Ohr, wie der Katzenkopf im Hafen*15, wie der Hund in der Küche.Mancher ist zur unglückhaften Stund geboren, da Mars und Venus einander den Rücken gewendet.Mancher kann den rechten Punkt zwischen zu früh und zu spät nicht treffen.Mancher kann die Kappe sparen, man kennt ihn doch als einen Narren.
Mancher kann die Leute mit Ehren beschmeißen.
(Mit „beschmeißen“ ist betrügen gemeint.)
Mancher kann einer Laus eine Stelze machen und weiß seinen eigenen Sachen nicht zu raten.
Mancher kann ein großes Feuer aus einem Funken anblasen.
Mancher kann nicht in die Ferne sehen, mancher kann in die Ferne sehen und sieht nicht, was vor Füßen liegt.
Mancher kann seinem Esel wohl den Schwanz verbergen, aber die Ohren lässt er gucken.
Mancher kann wohl kochen, aber nicht anrichten.
Man hats lang gekocht, hats nur nicht können anrichten.
Mancher kauft am Ersten wohl viel und muss es hernach teuer genug bezahlen.Mancher kehrt vor andrer Leute Tür und vor seiner nicht.Mancher klebt an einem andern wie ein Schwalbennest am Haus.Mancher knetet den Kot mit den Händen und tritt das Mehl mit den Füßen.
Mancher kommt ohne Appetit zu Tisch und wird erst begierig, wenn er das Essen vor sich hat.
Mancher kommt und will frische Eier kaufen, obschon keine im Haus sind.
Mancher kommt zu großem Unglück durch sein eigen Maul.Mancher kommt zu spät in sein eigen Haus.Mancher Kopf hat zehn Splitter und elf Zwickel zu viel, und neun zu wenig.Mancher kühlt, dass ihn nicht brennt.Mancher küsst dich auf den Backen, schlägt dabei dich in den Nacken.Mancher küsst einen auf den Backen und schlägt ihn mit der Faust in den Nacken.Mancher lässt seine Narrenschuhe mit Eisen beschlagen.
Mancher läuft auf und ab und gewinnt doch nichts.Mancher legt aus Furcht des Brandes sein ganzes Vermögen an nasse Ware.Mancherlei Vögel, mancherlei Sang.Mancherlei Vögel singen mancherlei Gesang.Mancher Leute Hoffnung fällt in Brunnen.
Die Hoffnung mancher Leute fällt in Brunnen.
Mancher liebet Geld noch mehr, als die Seele, Gott und Ehr'.
Mancher lobt einen und schlägt ihn mit dem Schwanz wie ein Scorpion.Mancher lög` einen ganzen Tag und ständ` auf einem Bein dazu.Mancher lügt, als wäre ihm das Maul geschmiert.Mancher lügt eins auf, das andre ab, und hat eine gesunde Leber dabei.
Mancher macht einem vor Augen und Obren so ein Gewirr, wie ein Schnack.
Mancher maßt sich an, er könne jedem die Uhr im Kopf richten.
Mancher meint, der Himmel hängt voller Geigen, so sind's kaum Nussschalen.
Mancher meint, der Teufel sei hundert Meilen*23 Wegs von ihm, da er näher ist denn sein Rock und Hemd.Mancher meint, er hab einen Hasen gefangen, so ists eine Maus.Mancher meint, er kenne mich, der noch nie erkannte sich.
Mancher meint, er sei im Reden eine Nachtigall und mag doch nur für ein Kuckuck passieren.
Mancher meint, er trag die Weltkugel und weiß nicht, dass er mit Füssen drauf steht.
Mancher meint, es könnte wohl der Himmel fallen, aber seine Gedanken könnten nicht fehlen.(Diese Selbstüberschätzung hatten Menschen vor über 500 Jahre ebenso wie heute in steigendem Maße.)Mancher meint, Gott hab' ihn beraten, so hat ihn der Teufel beschissen.
Mancher meint, in andrer Leut Garten sei auch gut grasen.
(Wenn man weiß, dass dieses Sprichwort bei Christoph Lehmann im Jahr 1630 auf Seite 401 unter Nr. 64 im Kapitel Hurerei steht, kann wohl jeder die eigentliche Bedeutung erkennen.)
Mancher meint, man könne die Lerchen unterm Hut fangen.
Mancher meint, sein Rauch sei so hell als eines andern Feuer.
Mancher meint sich zu wärmen, so wird er beräuchert.Mancher will sich wärmen und wird nur beräuchert.
Mancher Mensch ist des andern Wolf und sein eigener Teufel.
Mancher Mensch ist wie ein Ball auf'm Boden und wenn das Glück lustig ist zu spielen, so treibt es den Ballen so hoch, dass sich zu verwundern und ist doch nichts drin als Wind und Duft.
Mancher mit kargem Mut spart fremden Hab und Gut.
Mancher muss bezahlen, was er nicht genossen.
Mancher muss entgelten, was er nie genossen hat.Mancher muss lang den Esel tragen, bis er ihm abgeladen wird.
Mancher nach Ehren stellt und doch in Schande fällt.Mancher nehm ein Lot Gold und Gunst und lies einem einen Wollsack Recht, Tugend und Kunst.Mancher rauft den toten Löwen beim Bart, der ihn lebend nicht ansehen durfte.Wer den lebenden Löwen nicht wagt anzusehen, rauft dem toten am Bart.Mancher redet das Beste und tut das Böseste.
Mancher redet wie ein Engel und tut wie ein Teufel.
Mancher redet von Sachen so plump wie der Schuster vom Leder.
Mancher redet, wär's ein Gulden*13, er steckt ihn in die Tasche.Mancher reißt ein Loch auf und flickt das andere zu, bis endlich weder Schindel noch Brett im Haus bleibt.Mancher reist krätzig ins Bad und kommt räudig wieder heim.Mancher rühmt sich seines Gewissens, welches alsdann zu glauben, wenns im Feuer poliert und lauter erfunden worden.
Mancher rührt einen alten Dreck, dass er aufs Neue soll stinken.
Mancher scheut sich vor keiner Tat, sie sei so bös als sie wollen, aber der Red ist er Todfeind.
Mancher schießt ins Blaue und trifft ins Schwarze.Mancher schilt sich selber, indem er einen andern lobt.(Dazu der Kommentar 1630 von Christoph Lehmann: „also ein Ungelehrter einen Gelehrten, ein Fauler ein Arbeitsamen lobt.)Mancher schläft den Hasenschlaf (mit offenen Augen).Mancher schläft mit offnen Augen wie der Hase.Mancher schlägt einen mit bösen Worten, das Maul und Nasen davon schwitzen möchten.Mancher schlägt oft etwas vor, das ein Licht in Geschäften sein soll, und macht damit die Leute blind.
Mancher schnitzt sich selbst ein Kreuz, und mag nicht erwarten, bis es ihm selbst zum Haus kommt.
Mancher Schüler übertrifft den Meister.
Mancher sieht ein Feuer vor Augen und läuft doch drein.Mancher sieht mit einem Auge mehr als ein anderer mit zweien.Mancher sieht mit einem Auge, was er gibt, und mit sieben, was er davon nimmt oder kriegt.Mancher sieht weit hinaus ins Feld, und über ein Steinchen vor ihm fällt.Mancher sitzt am Tisch und versäumt die Mahlzeit.Mancher sitzt in Gedanken, wie der Hund in Flöhen.Mancher söffe das ganze Meer, wenn nur nicht Wenn und Aber wär'.Mancher sorgt für die Wiege, eh das Kind geboren ist.Mancher Spieler verliert in einer Stunde, was er in seinem Leben nicht wieder gewinnt.Mancher springt über einen Besen und fällt über einen Hundedreck.
Mancher steckt so voller Geschicklichkeit, wenn er sich räuspert, so speit er Weisheit, Witz und Sentenzen.
Mancher Stein wird nach einer Kuh geworfen, der schätzbarer ist als die Kuh.
Mancher stellt sich arm und möchte Geld fressen.
Mancher stellt sich wie der Esel in der Löwenhaut.Mancher stellt sich wie ein Stockfisch im weisen Herrenmantel.(Dei beiden oberen Sprichwörter stehen 1876 bei Wander getrennt als zwei Sprichwörter, bei Lahmann 1630 in einem Satz.)Mancher sucht, dass er schon gefunden hat.Mancher sucht, was er schon gefunden hat.Mancher sucht ein Ding so genau wie eine hungrige Maus in einem Brotkorb.Mancher sucht einen Pfennig und verbrennt ein Dreierlicht (für drei Kreuzer Licht).Mancher sucht einen Pfennig und verbrennt dabei drei Lichter.Mancher Tag hat zwölf Stunden und dreizehn Unglück.Mancher trägt andern Wasser zu und lässt sein Haus brennen.Mancher trägt auf einer Achsel Gott, auf der andern den Teufel.Mancher trägt einen frommen Mantel, ist dir vorne freundlich und setzt dir einen Wolf auf den Rücken.Mancher trägt ein Pfaffenschlappen, trüg' billiger ein Reiterkappen.(Schlappen = ein schlapp herabhängender Hut.)Mancher träumt so lange vom Glück, bis er es schließlich verschläft.(An einigen Stellen wird dieser Spruch Sprichwort genannt, an anderen wird unbekanntem Autor angegeben. Dieser Spruch wird etliche Male zitiert, aber keine Quelle von früher gefunden.)Mancher trifft's wie die Buhler, die zielen ins Weiße und treffen ins Schwarze.Mancher trinkt heimlich und ist öffentlich besoffen.Mancher tut ein Ding, ehe der Hahn brunzt.Mancher tut viel und richtet nichts aus.Mancher tut wie eine Maus, nagt alles, wozu er kommt.Mancher tut wie ein Strauß, der meint, wenn er unterm Zweig steht, so sei er gar bedeckt.Wenn der Strauß mit dem Hals unter einen Zweig kommt, so meint er, er sei gar bedeckt.Mancher verbösert und glaubt, er verbessert.
Mancher verdammt um Weib und Kinder willen Leib und Seele.
Mancher verdaut den Hafen*15, ein andrer kaum das Mus.Mancher verdirbt, eh er stirbt.
Mancher vergibt, vergisst aber nicht.
Mancher vergisst nur deshalb seine Pflichten, weil er stets an seine Rechte denkt.Mancher vermeint, dass der Verstand in seinem Kopf ebenso wie die Reichstaler*34 in seinem Kasten eingehämmert sind.Mancher versät sein Korn, eh er auf den Acker kommt.Mancher verspricht ein lebendiges Ross und bringt kaum ein wächsernes.Mancher versteigt sich mit lügen, dass er ohne Leiter nicht kann wider herabkommen.Mancher von Frauen übel red`t, der doch nicht weiß, was seine Mutter tät.
Mancher wälzt den großen Stein und hat die Arbeit zu Lohn.Mancher wäre jung genug, wenn er nicht so ein alt Gesicht hätte.
Mancher weiß immer ein verborgen Hintertürlein.
Mancher weiß in Sachen nicht, wo er den ersten Tritt hin tun soll.
Mancher weiß nicht, dass er's kann, wenn er's übt, geht es an.Mancher wiegt alles auf der Goldwaage und so das Gewicht gleich steht, so weiß er doch nicht, was er wählen soll.Mancher will brüten, ehe er gelegt ist.Mancher will die Laute schlagen, und weiß keinen Griff.Mancher will fliegen, ehe er Federn hat.Mancher will jung sein, aber hat doch viele Ostereier gegessen.Mancher will jung sein und hat schon siebzigmal Ostereier gegessen.Mancher will lieber einen Freund verlieren als eine Klette, die er ihm anwirft.Mancher will lieber im Tal wohnen, denn auf den Bergen.Mancher will Meister sein und ist kein Lehrjunge gewesen.
Mancher will mit dem Kopf hindurch und könnt wohl näher zukommen.
Mancher wills lieber mit Löffeln als mit Scheffeln*29; ein ander wills lieber mit Scheffeln als mit Löffeln.Mancher wirft mit Kot und Rotz um sich und trift sobald den Unschuldigen als den Schuldigen.
Mancher wohnt in einem faulen wurmstichigen Haus und begehrt doch nicht heraus.
Mancher wollt gern sein Nest auf einem hohen Baum bauen.Mancher wollt nicht gern lügen, wenn er die Wahrheit könnte treffen.
Mancher wollt sich auch gern wärmen, wenn er nur könnt zum Feuer kommen.Mancher zieht eine Schlange auf im Busen, die ihn selbst hernach sticht.Mancher zielt weiter, als er trifft.
Mancher zündet einem andern ein Feuer an und verbrennt selbst davon.
Manches Ding schickt sich fein wie eine Muschel auf einem Jacobs Mantel.
Manche sind so naseweis, dass sie sich einbilden, sie haben bei einer Cumanischen Sibylla geschlafen.(Sibylla war in der Antike ein Name von weissagenden Frauen. Die Sibylle von Cumae soll im 6. Jahrhundert v. Chr. die Priesterin des Orakels von Cumae gewesen sein. Cumae liegt in der Region Kampanien nordwestlich von Neapel. Die angebliche Höhle der Sibylla von Cumae kann heute noch besichtigt werden.)Manches ist (wird) besser gepfiffen als gesagt.
Manches ist so groß, dass man's nicht in der Waagschale wiegen kann.
Manche spreizt sich wie eine Kirmesgans.
Manches Schweigen ist eine beredte Antwort.
Schweigen ist auch eine Antwort.
Manch gute Kuh hat ein übel Kalb.
Manch Laster ist wie ein Rauch, es zeitigt langsam, eh man's brechen kann.
Manch saurer Wind hat ihn angeweht.
Manches Spiel heißt, siehe zu, hab acht auf die Chance.
Manches Spiel ist den Sehenden gemacht, manches für die Blinden.
Manch Spiel ist der Sehenden, manches der Blinden.
Man dankt nicht für das Schwein, man habs denn im Sack.
Man darf dem Gerber das Leder nicht stehlen, um den Armen Schuhe daraus zu machen.
Man darf dem Pöbel nicht viel pfeifen, er tollt sonst gern.
Man darf dem Teufel nicht Tür und Fenster auftun, er nimmt doch sonst wohl gern das ganze Haus ein.
Man darf dem Toren keine Kappe annähen.
Man darf dem Unglück keine Boten senden: Es kommt von selbst und zu früh ins Haus.
Man darf dem Unglück keinen Boten schicken, es kommt von ihm selbst
Man darf den Hühnern den Schwanz nicht aufbinden, denn sie richten ihn selbst wohl auf.Man darf den Teufel nicht über die Tür malen, er findet sich sonst nur zu bald.Man darf den Teufel nicht über die Tür malen, er kommt wohl selber ins Haus.Man darf den Teufel nicht zu Gevatter bitten.Man darf des Guten wegen nichts Böses tun.Man darf die Eier nicht wannen, man isst sie wohl mit dem Staube.(Damit ist gemeint, man darf die Eier nicht abwaschen = wannen. Da man die Schalen der Eier nicht mitisst, braucht man sie vor dem Kochen nicht abwaschen, sie können mit dem Schmutz auf den Tisch kommen. Weil man nur das Innere isst, hätte der Schmutz auf der Schale keinen Einfluss auf das Ei selbst. Dieses Sprichwort weist schon vor 1600 auf die Sparsamkeit hin, wenn auch mit anderen Schwerpunkten als heute. Andere lassen das „wannen“ wohl nicht aus Sparsamkeit, sondern auch aus anderen Gründen.)Man darf ein X hinter sein O setzen.Man darf ihn heut um keine Tochter bitten.Man (be)darf keiner Juden mehr, es sind andere, die wuchern können.(Juden und Wucherer waren im früheren Sprachgebrauch des Volks fast gleichbedeutend. Juden wurden von der christlichen Obrigkeit in der guten alten Zeit förmlich zu Wucherern gemacht, als welche sie später verrufen sind. Die Juden waren rechtlos; sie genossen bloß Schutzrechte seitens des Kaisers, die sie sehr teuer bezahlen mussten. Dadurch sind sie die Melkkühe des Reichs geworden. Um ihnen möglichst viel auspressen zu können, mussten sie erst viel besitzen. Um den Judenschutz recht einträglich zu machen, verlieh man ihnen die besondere Rechte, wie Faustpfänder und Zinsen nehmen. Rechte, die Christen verboten waren. So wurden Wucherer und Jude gleichbedeutend. Als später auch Christen Pfandleiher wurden, hießen sie zum Unterschied „getaufter Juden“. Schon vor dem 15. Jahrhundert, aus dem dieses Sprichwort stammt, waren es christliche Wucherer, die sich auf Kosten anderer bereicherten. Heute wird man meist ganz unchristlich von christlichen oder anderen Wucherern um sein Geld gebracht. Wie die Sprichwörter von früher sind die falschen Vorurteile aber geblieben.)Man darf niemand aus seiner Gewähr weisen, als von Gerichtes halben.Man darf nur anderen die Wahrheit sagen, wenn man sie selber ertragen kann.Man darf nur knallen und ausfahren.Man darf seinem Heu Stroh sagen.Man denkt an die, die wohnen hie.Man denkt sein, wie des Pilatus im Credo.Man gedenkt deiner, wie des Pilatus im Credo.Man diene, wie man wolle, so ist Undank der Lohn.
Man dient nicht um gute Worte, sie lohnen nicht.
Man disputiert mehr über die Schale als über den Kern.